Die Rückkehr des Preishammers?
Für den Commodore 64 ist die Textverarbeitung »Starfexter 64« schlichtweg ein Preishammer. Seit kurzem gibt es nun eine erweiterte Version für den C 128. Kann sie an den Erfolg des Vorgängers an knüpfen?
Der Preis von 64 Mark für den StarTexter erschien zuerst als ein Werbegag, entpuppte sich dann aber als Sensation: »Starlexter 64« ist die Textverarbeitung mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis, die wir kennen. So konnte sie unter den C 64-Besitzern viele Freunde gewinnen. Aufsteiger, die sich inzwischen einen C 128 zugelegt haben und ein ähnliches Programm für den C 128 suchen, können aufatmen. Das Programm »StarTexter 128« stellt eine erweiterte und speziell an die Fähigkeiten des C 128 angepaßte Version dar. Die Bedienung bleibt in allen wesentlichen Punkten gleich, wenn auch einiges hinzugekommen ist.
Zwei Dinge sollten erledigt sein, bevor man die Textverarbeitung das erste Mal in den Computer lädt. Zum einen ist es das Anlegen einer Sicherheitskopie. StarTexter ist nicht kopiergeschützt. Ein Umstand, der ausdrücklich gelobt werden muß. Auf der Diskette findet sich sogar ein einfaches Backup-Programm für den C 128, das das Kopieren erledigt. Zum anderen ist es die Anpassung an den verwendeten Drucker. Ein extra zu ladendes Installations-Programm ermöglicht sowohl die Anpassung an gängige Drucker und Interfaces wie auch exotische Gerätekombinationen.
Doppelt getextet
StarTexter läßt sich praktischerweise sowohl im 40- als auch im 80-Zeichen-Modus betreiben. Die Darstellung mit 80 Zeichen pro Zeile ist, wegen der Übersichtlichkeit, für eine Textverarbeitung wesentlich einfacher. Wer aber noch keinen 80-Zeichen-Monitor hat, kann dann eben mit 40 Zeichen arbeiten. Der Bildschirmaufbau ist besonders bei 80 Zeichen sehr übersichtlich, wie Bild 1 zeigt.

Auch die Bedienung ist sehr einfach. Die drei Befehls-Menüs werden über die <CTRL>-Taste und die Funktionstasten aufgerufen. Die deutschen Umlaute liegen beim Schreiben entweder auf den Funktionstasten, oder, wenn entsprechend eingestellt, an den auf der Tastatur markierten Stellen. Auch <Y> und <Z> liegen entsprechend einer QWERTZ-Tastatur.
Die beim C 128 neu hinzugekommenen Tasten wurden mit sinnvollen Funktionen belegt. So definiert man mit der <ESC>-Taste den linken Seitenrand und kann mit der Taste <TAB> einzelne Tabulatoren anspringen und im CTRL-Modus auch setzen und löschen. Natürlich kann der Cursor mit den oberen und unteren Cursor-Tasten bewegt werden, was aber die Möglichkeiten der Positionierung noch lange nicht erschöpft. Seitenweises Durchblättern sowie Positionieren auf einen Wortanfang bringen weiteren Bedienungskomfort. Die <HELP>-Taste kann mit einer immer wieder vorkommenden Textpassage belegt werden. Mit etwas Geschick läßt sich dieser Floskelspeicher aber auch dazu ausnutzen, einzelne Funktionen hintereinander gebündelt ablaufen zu lassen.
Textverarbeitung mit integriertem Basic
Mit <SHIFT+INS/DEL> schaltet man zwischen Überschreibe- und Einfügemodus um. Im Einfügemodus werden neue Zeichen ab der Cursor-Position eingefügt.
Kommen Sie in die Verlegenheit, etwas berechnen zu müssen, hilft Ihnen StarTexter weiter. Suchen Sie sich im Text einfach eine freie Stelle und tippen Ihre Rechnung ein. Das Ergebnis wird nach entsprechendem Aufruf des Rechenbefehls darunter angezeigt. Ähnlich funktioniert auch die Ausführung einer Folge von Basic-Befehlen. Dazu schaltet StarTexter kurz ins Basic um, führt die Befehlsfolge dort aus und übernimmt beim Rücksprung die oberste Bildschirmzeile in den Text. Mit einem Trick ist aber auch ein zeitlich begrenzter Ausflug ins Basic möglich, wobei man dort kurz etwas programmieren und ausführen lassen kann.
Wichtig für Textverarbeitungsprogramme ist das Suchen und auch Ersetzen einzelner Textteile. Dies funktioniert hier recht gut. Es wird streng auf Groß- und Kleinschreibung geachtet.
Blockoperationen mit Schwächen
StarTexter kennt auch alle wichtigen Blockoperationen. Leider kann man Blöcke nur zeilenweise definieren, kann Blöcke also nicht mitten in einer Textzeile beginnen oder enden lassen. Der so definierte Block kann nun zyklisch um ein Zeichen nach links oder rechts gerollt, aber natürlich auch verschoben, kopiert und gelöscht werden. Praktischerweise läßt sich dieser Block sogar für sich alleine speichern und ausdrucken, eine Funktion, die bei Textverarbeitungen selten ist.
Mit der <CBM> Taste lassen sich der Tastatur so manche zusätzliche Zeichen entlocken. Mit diesen Zeichen können Sie im Text sogar einfache Grafiken erstellen. Doch damit ist noch lange nicht genug. Wer spezielle, zusätzliche Zeichen wie zum Beispiel griechische Buchstaben benötigt, kann direkt im Programm einzelne Zeichen umdefinieren. Auf Tastendruck wird dazu die entsprechende Matrix groß angezeigt und nach erfolgter Anpassung übernommen. Selbstverständlich lassen sich so veränderte Zeichensätze auch speichern. Somit kann man einen Zeichensatz und damit auch die Tastaturbelegung jederzeit ändern. Auf der Diskette befinden sich insgesamt fünf verschiedene Zeichensätze mit Schreibmaschinen- oder Computerschrift. Wer nicht nur einzelne Zeichen, sondern einen kompletten Zeichensatz ändern will, dem leistet das mitgelieferte Programm »StarFont« große Dienste. Es arbeitet allerdings nur im C 64-Modus, da es unverändert von StarTexter 64 übernommen wurde.
Viel Menü fürs Geld
Alle wichtigen Funktionen wie Diskettenbetrieb, Ausdruck, Textformatierung und Parametereinstellung sind über drei Menüs leicht und schnell zu erreichen. Im Diskettenmenü erfolgt das Laden und Speichern von Texten oder auch nur Textauschnitten. Leider ist ein Speichern und Laden nur im speziellen Datenformat des StarTexters möglich. Somit können keine ASCII-Dateien oder Programme erstellt oder bearbeitet werden. Texte von anderen Textverarbeitungen kann der StarTexter dagegen schon verdauen. Sie müssen dabei allerdings von einem weiteren mitgelieferten Programm vorgekaut werden. Gelesen werden Dateien der Programme Vizawrite, Textomat und Textomat Plus.
Das zweite Menü widmet sich dem Ausdruck und der Textformatierung. Der Ausdruck kann entweder wie auf dem Bildschirm gerade sichtbar oder nochmal speziell formatiert erfolgen. So lassen sich auch Textbreiten von mehr als 80 Zeichen realisieren. Vor dem eigentlichen Druck wird aber noch einmal einiges vom Benutzer erfragt. Zunächst werden die Anzahl der zu druckenden Exemplare festgelegt sowie eingestellt, ob auch eine Kopf- und Fußzeile Verwendung findet. Hier ist auch gleich einer der Schwachpunkte des Programmes: Die entsprechende Zeile am Anfang oder Ende jeder Seite muß nämlich bei jedem Ausdruck neu eingegeben werden und wird nicht zusammen mit dem Text gespeichert.
Positiv anzumerken ist dagegen die eingebaute Zusammenarbeit mit der Dateiverwaltung StarDatei, die hier ebenfalls gestartet wird. So sind einzelne, vorbereitete Datensätze, aber auch die gesamte Datei mit dem im Speicher vorhandenen Text für Serienbriefe mischbar. Ein Einzug von Dateien anderer Programme ist hingegen nicht möglich.
Der zweite Teil dieses Menüs schließlich beschäftigt sich mit der Formatierung. Hier ist ein Umformatieren des Textes auf eine neue Zeilenbegrenzung oder auch die Einführung des Blocksatzes möglich.
Das dritte Menü dient zur Einstellung der einzelnen Betriebsparameter. Hier werden beispielsweise die aktuellen Textränder, der verwendete Tastaturtyp (ob englisch oder deutsch) oder der Wortumbruch eingestellt. Hier kann auch der Drucker nochmals angepaßt werden, wobei auch der Ausdruck über eine am' User-Port simulierte Centronics-Schnittstelle einstellbar ist. Möglichkeiten zur Festlegung der Codes der Umlaute, Bildschirmfarben und aktuellen Zeichensatz runden das Menü ab.
Drucken, was man sieht
StarTexter erlaubt das Verwenden beliebiger Zeichensätze auf dem Bildschirm. Was wäre aber diese Möglichkeit ohne den entsprechenden Ausdruck? StarTexter druckt den Text in hochauflösender Grafik, wobei dann der ausgedruckte Text und der Bildschirminhalt absolut identisch sind. Mit Epson-kompatiblen Druckern geht das sehr schnell vonstatten. Wer dagegen einen Commodore-Drucker sein eigen nennt, sollte nicht entsetzt aufschrecken, wenn der Druckkopf langsam über das Papier »rumpelt« Dies liegt aber an den sehr eingeschränkten Druckmöglichkeiten der Commodore-Drucker. Immerhin sind mit diesem Verfahren auch auf diesen Geräten Umlaute möglich. Eine wichtige Funktion des Programmes.
Spezielle Schriftbilder wie Fettschrift, Breitdruck, Unterstreichung oder andere Funktionen sind teilweise schon vordefiniert, können aber auch frei festgelegt werden. Hierzu existieren insgesamt 10 Sonderzeichen, die über die Zifferntasten, zusammen mit der <CBM>-Taste, erreichbar sind.
Der Textspeicher ist etwa 60 KByte groß, was etwa 750 Zeilen zu je 80 Zeichen oder über 10 eng beschriebene DIN-A4-Seiten entspricht.
Die gesamten Leistungen und Funktionen von StarTexter werden in einem ausführlich und leicht zu verstehenden Handbuch Stück für Stück erläutert, so daß auch Einsteiger in die Textverarbeitung sehr gut mit dem Programm zurechtkommen werden.
Stern fast ohne Makel
StarTexter 128 ist eine im wesentlichen gelungene Erweiterung des beliebten C 64-Programmes. Wer den Vorgänger schon kennt, wird hier kaum Probleme haben und über die neuen Funktionen erfreut sein. Vergleicht man StarTexter für den C 128 dagegen mit anderen Programmen in derselben Preisklasse, so ist zu sagen, daß manche dieser anderen Programme teilweise mehr Funktionen bieten. Ein Beispiel wäre das Programm Protext 128 mit all seinen Extrafunktionen wie Terminalbetrieb oder Fensterdefinition. Startexter bietet allerdings einige Funktionen, die sonst kein Textverarbeitungsprogramm hat, wie zum Beispiel den Grafikdruck, der beliebige Zeichensätze ermöglicht. Alles in allem kann man in diesem Falle wohl nicht mehr unbedingt von einem Preishammer sprechen, wenn auch StarTexter ein abgerundetes Leistungsspektrum zu einem sehr fairen Preis aufzuweisen hat. Die Entscheidung fällt zumindest nicht ganz so leicht wie bei der C 64-Version.
(Karl Hinsch/bs)StarTexter 128, Sybex Verlag GmbH, Postfach 300961, 4000 Düsseldorf 30, Preis: 75