C 64/C 128
Datenfernübertragung

DFÜ für Anfänger

Datenfernübertragung ist aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. Fast jede größere Rechenanlage wäre ohne DFÜ wertlos. Aber auch Sie zu Hause können mit Ihrem Heimcomputer DFÜ betreiben.

Farbfoto einer Hand, die einen Telefonhörer auf einen Akustikkoppler legt

In unserer schnellebigen Zeit ist es unerläßlich, daß Nachrichten schnell ihren Empfänger erreichen. Denken Sie einmal an Tageszeitungen, Banken, Versicherungen und den Großhandel. Hier müssen Nachrichten schnell ausgetauscht werden, um ständig aktuell zu sein.

Ein anderes Beispiel ist der neue Personalausweis, der nächstes Jahr zur Pflicht werden soll. Hat eine Polizeistreife einen Kartenleser im Auto, können sofort die gewünschten Informationen über den Inhaber per Funk aus einer großen Datenbank abgerufen werden.

In der Regel ist heute schon der normale Postweg zu langsam. Um die Konkurrenz zu überflügeln, muß man schneller als diese sein. Deshalb hat man einfach keine Zeit mehr, auf Informationen aus wissenschaftlichen oder sozialpolitischen Bereichen tagelang zu warten. Vielmehr will man die Information anfordern und am besten gestern auf seinem Schreibtisch haben. Und das geht nur mit elektronischer Datenübertragung. Denn Lichtgeschwindigkeit, mit der sich elektrische Signale fortbewegen, wird ein Bote niemals erreichen.

Aber es geht nicht nur darum, schnell an eine Information heranzukommen, sondern auch an eine umfassende. Ein bekanntes Beispiel aus der Datenfernübertragung ist der Telex-Dienst. Ein Brief wird hier nicht in einen Umschlag gesteckt und auf einem Postamt aufgegeben und so weiter. Ein Telex wird mit einer Art Schreibmaschine geschrieben und sofort an den Empfänger über das Telefonnetz übermittelt. Falls Sie aber einmal einem Telexapparat zugesehen haben, wissen Sie, daß dessen Übertragungsgeschwindigkeit einschläfernd langsam ist. Etwas schneller gehen Teletex, Telefax oder Btx. Aber das Optimum an Übertragungsgeschwindigkeit liefern all diese Dienste nicht.

Man muß also einen Weg finden, Daten wesentlich schneller zu übertragen. Denn nur so kann man auch große Datenmengen kostengünstig übermitteln. Große Datenmengen sind in Datenbanken gespeichert, in den Speicherbänken von Computern also. Und wenn große Datenmengen verarbeitet werden sollen, braucht man ebenfalls einen Computer. Deshalb ist es am einfachsten, seinen Computer gleich mit der Datenbank zu verbinden und dort die .gespeicherten Informationen abzurufen.

Das hört sich etwas trocken an, aber DFÜ ist alles andere als trocken. Betreibt man DFÜ zum Spaß, als Hobby, kann man durchaus seine Freude daran haben. Denn durch DFÜ lernt man viele Leute kennen, die sich auch dem Hobby »Computer« verschrieben haben. Diesen kann man mit dem Computer Briefe schreiben und Fragen stellen oder durch Antworten weiterhelfen.

DFÜ macht Spaß!

Was im professionellen Bereich die Datenbank, ist für den DFU-Hobbyisten eine Mailbox. Eine Mailbox ist prinzipiell nichts weiter als ein elektronischer Briefkasten, in den »Briefe« eingeworfen werden oder aus dem »Briefe« geholt werden können. Eine Mailbox umfaßt aber wesentlich mehr Funktionen. Da gibt es zum Beispiel eine Art Pinwand, an die jeder seine Fragen oder seine Meinungen »anheften« kann, die jeder andere lesen darf. Die Pinwände werden im Fachjargon häufig als »Offentliche Mail«, »Bulletin Boards« oder als »Forum« bezeichnet. Vergleichbar ist ein solches Forum mit dem CB-Funk, wo jeder seinen »Senf« zu einem Thema gibt. In der Regel gibt es Bulletin Boards oder Foren zu ganz bestimmten Themen. Ein Beispiel finden Sie in Bild 1. Es ist ein Auszug der öffentlichen Mail, der ACM-Club-Box in München. Gewählt wurde das Forum »Kontakte«. In einer Mailbox wird allerdings nicht nur gequatscht oder gefachsimpelt, man kann sich auch Informationen zu bestimmten Themen holen. Beispielsweise zur Sendung »Computerzeit« des Bayerischen Rundfunks (Bild 2).

Bildschirmausdruck einer Mailbox mit einer Liste von Kontaktanzeigen
Bild 1. Auszug der öffentlichen Mail in der ACM-Box
Bildschirmausdruck eines Mailbox-Hauptmenüs mit Infotexten zur Sendung »Computerzeit«
Bild 2. In der ACM-Box können auch Infos zu bestimmten Themen abgerufen werden. Der Ausdruck zeigt Infos zur Computerzeit.

Will man einem DFÜ-Freund eine persönliche Nachricht hinterlassen, schreibt man ihm in seinen persönlichen Briefkasten (Bild 3). Nur er kann diesen Brief lesen.

Bildschirmausdruck des Menüs »Private Mail« einer Mailbox
Bild 3. An jeden eingetragenen Mailbox-User können Briefe verschickt werden.

»Mailbox-DFÜ« ist eine interessante Sache, die Spaß macht. Allerdings sollte man sich am Anfang auf eine Mailbox beschränken. Denn nur so kennt man schnell deren ganzen Befehlssatz und kann gut damit arbeiten.

Die Hobby-DFÜ beschränkt sich aber nicht nur auf private Mailboxen. Mit seinem Heimcomputer kann man auch professionelle Computernetze für sich nutzen. Beispielsweise das Datex-P-Netz. Damit lassen sich auch ausländische Datenbanken und professionelle Mailboxen erreichen. Für weniger Geld als man denkt.

Schaut man einmal in eine professionelle amerikanische Mailbox, etwa CompuServe, ist man erstaunt, wieviel Anklang DFÜ dort findet. Obwohl die Benutzung von CompuServe Geld kostet, diskutieren dort massenhaft Leute miteinander die verschiedensten Themen.

Die Amerikaner treiben sich aber nicht nur zum Spaß in Mailboxen herum. Dort kann man mit seinem Heimcomputer über die Mailboxen Telexe verschicken, Börsenkurse abfragen oder Texte an einen Telesatzcomputer schicken. Ebenso kann sich ein Kunde auch in den Computer eines Warenhauses einwählen, Artikel aussuchen, bestellen und per Kreditkarte bezahlen. Zum Teil gibt es das auch schon bei uns. Beispiele sind die Deutsche Mailbox und die Geonet. Auch Waren kann man bei uns per Computer bestellen, und zwar über Btx. Daß die Sache in USA so populär geworden ist, liegt einerseits an den Leuten selbst, die weniger Angst vor Technik haben als wir, andererseits an den Computerherstellern. In Amerika bekommt man beim Kauf eines C 128 gleich ein Modem mit dazu und hat somit gleich eine komplette DFÜ-Ausstattung.

Genaueres über Datex-P und die Faszination des weltweiten Datenzugriffs können Sie in der 64er, Ausgabe 3/86 nachlesen.

Computer unter sich

Doch wie verbindet man zwei Computer miteinander? Am einfachsten über ein Kabel, was natürlich nur dann sinnvoll ist, wenn die Computer im gleichen Raum oder Gebäude stehen. Schwieriger ist es, wenn die Computer ein paar oder Hunderte von Kilometern auseinander stehen. Man kann nicht einfach eine Leitung legen. Abhilfe schafft das Telefon, mit dem man sich mit der ganzen Welt verbinden lassen kann und dessen Leitungen also überall hin gehen. Nur, es ist nicht ganz so einfach, einen Computer an ein Telefon anzuschließen. Denn ein Computer hat keinen Mund zum Sprechen und keine Ohren zum Hören. Man muß ihm erst welche »verpassen«. Das hört sich allerdings aufwendiger an, als es in Wirklichkeit ist. Denn erstens ist fast jeder Computer darauf vorbereitet (auch der C 64 und C 128) und zweitens gibt es die Ohren und das Sprechorgan quasi als Fertiggerät mit dem Namen Akustikkoppler mit Namen.

Ein Akustikkoppler wandelt die Daten, die ein Computer abschickt, in Töne um, die sich über das Telefonnetz übertragen lassen. Die Funktion ist ähnlich dem Morsen. Bei der Übertragung gibt es einen tiefen und einen hohen Ton. Ein Wechsel zwischen den beiden Tönen entspricht einer digitalen »1«, kein Wechsel einer »0«. Umgekehrt wandelt ein Akustikkoppler Tonfolgen, die er von einem anderen Computer erhält, in digitale Signale um. Damit die Computer über die gleiche Leitung gleichzeitig senden und empfangen können, unterscheiden sich der tiefe als auch der hohe Sende-/Empfangston voneinander.

Ein Akustikkoppler wird bis auf wenige Ausnahmen immer an die RS232- oder V.24-Schnittstelle eines Computers angeschlossen. Erkennbar ist eine solche Schnittstelle meist an einer 25poligen Buchse. Beim C 64 und dem C 128 werden Sie allerdings vergeblich danach suchen. Commodore hat hier sein eigenes Süppchen kochen müssen. So kann der User-Port zur RS232-Schnittstelle umfunktioniert werden. Wenn Sie zum Beispiel die folgende Basic-Zeile im Direktmodus eingeben, geht die Ausgabe auf die RS232-Schnittstelle am User-Port.

OPEN2,2,2,CHR$(32+6)+CHR$(0)
CMD2
PRINT#2,"HALLO"
PRINT#2
CLOSE2

Aber darum brauchen Sie sich eigentlich nicht zu kümmern, falls Sie kein eigenes DFU-Programm schreiben wollen. Was auch nicht nötig ist, da es genügend DFU-Programme gibt, die nichts kosten (sogenannte Freeware).

Auf was Sie aber achten müssen, ist die Tatsache, daß die RS232-Norm andere Spannungspegel vorschreibt als am User-Port vorhanden sind. Deshalb braucht man ein RS232-Interface. Erst über dieses Interface kann der Akustikkoppler am User-Port angeschlossen werden.

Haben Sie alles angeschlossen, kann's eigentlich schon losgehen. Vorausgesetzt, Sie haben sich ein DFU-Programm (Terminalprogramm) besorgt. Falls Sie eines abtippen wollen: Im 64'er Sonderheft 3/85 »Anwendung und DFÜ« haben wir Proterm/XT abgedruckt.

Jetzt können Sie eine Mailbox anrufen. Zum Beispiel mit der Nummer 089 8120338 (ACM-Box). Falls Sie kein Besetztzeichen hören, weil es gerade mal wieder einer vor Ihnen »geschafft« hat, hören Sie kurz nach dem Anwählen einen Pfeifton, den »Carrier«. Das ist das Zeichen dafür, daß der Mailboxcomputer ein »Gespräch« annehmen kann. Drücken Sie den Hörer nun fest in den Akustikkoppler und warten Sie ab. Nach wenigen Sekunden meldet sich die ACM-Box oder besser gesagt der C 64, auf dem die ACM-Box läuft. Sie werden aufgefordert, die <RETURN>-Taste zu drücken. So kann sich eine Mailbox auf die Übertragungsparameter Ihres Terminalprogramms einstellen. Näheres dazu im Begriffslexikon.

Kurze Zeit nach der Anwahl erscheint die Einschaltmeldung der Box auf Ihrem Bildschirm und Sie werden nach Ihrem Paßwort gefragt (Bild 4). Geben Sie hier einfach »GAST« ein. Meist hilft das weiter.

Bildschirmausdruck einer Mailbox-Anmeldung, bei der das Paßwort als Punktreihe erscheint
Bild 4. Das Einloggen in eine Mailbox. Damit niemand das Paßwort sehen kann, sendet die Mailbox für jedes Zeichen einen Punkt.

Wenn Sie zum erstenmal eine unbekannte Mailbox anwählen, empfiehlt es sich, das Help-File abzurufen. Denn hier erfährt man, welche Befehle die Mailbox kennt und was sie bewirken. Es kann passieren, daß eine Mailbox permanente Fehleingaben übelnimmt und einfach die Verbindung abbricht. Das gleiche kann passieren, wenn Sie sich zu lange in einer Mailbox aufhalten und das Zeitlimit erreichen. Das Zeitlimit ist die maximale Zeit, die einem eine Mailbox für einen Aufenthalt zugesteht. Das hat einfach den Sinn, daß andere Mailbox-Benutzer (User) auch einmal in die Mailbox kommen und nicht ständig ein Besetztzeichen hören. Im Gegensatz zu professionellen Mailboxen, die bis zu 12 und mehr Gespräche (12 Telefonanschlüsse unter der gleichen Nummer!) gleichzeitig schaffen, kann eine private Box immer nur ein Gespräch annehmen.

Gefällt Ihnen eine bestimmte Mailbox, können Sie dort eingetragener Benutzer werden. Das heißt, Sie bekommen einen persönlichen Briefkasten, in dem andere Benutzer Briefe für Sie ablegen können. Dazu müssen Sie ein Paßwort unter Ihrem Namen beantragen. Der Vorgang ist von Box zu Box verschieden. Bei der ACM-Box beispielsweise schreiben Sie dem Sysop eine Nachricht, daß Sie eingetragener Benutzer werden wollen. In anderen Mailboxen macht Sie das Programm zu einem eingetragenen Benutzer. Haben Sie einmal in mehreren Mailboxen herumgestöbert, werden Sie schnell feststellen, daß es solche und solche gibt. Teilweise sind Mailboxprogramme extrem langsam oder so schlecht strukturiert, daß man gleich wieder auflegen kann. Am schlimmsten sind die Boxen, wo sich niemand um deren Inhalt kümmert. Zum fünften Mal die idiotische Nachricht zu lesen, »Ich war auch da, Tschüs« macht keinen Spaß. Da es leider immer noch solche Zeitgenossen gibt, denen nichts Besseres einfällt, muß ein Sysop solchen Unsinn regelmäßig rauswerfen.

Aber es gibt genügend sehr gute Boxen, beispielsweise die ACM-Box, in der DFU Spaß macht und man schnell Bekannte, die das gleiche Hobby haben, findet.

Am Anfang dieses Beitrages wurde DFÜ in Zusammenhang mit unserer schnellebigen und hektischen Welt erwähnt. Aber das private »Hacken« hat nichts mit Hektik oder Streß zu tun. Eher das Gegenteil ist der Fall. DFÜU ist eben etwas anderes als Programme zu schreiben, UFOs abzuschießen oder Rätseln hinterherzujagen.

(Peter Hänelt/og)
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