Maintext 64 — nur schreiben müssen Sie noch selbst
Maintext 64 ist ein in vielen Punkten neuartiges Textprogramm für den C 64, dessen umfangreiche Befehle sich sogar noch beliebig erweitern lassen. Aber das ist nicht alles — lesen Sie, welche Überraschungen noch in diesem Programm stecken.
Maintext 64 stellt sich für Vizawrite 64- oder Textomat-Geübte in teilweise ungewohnter Form vor. Bemerkenswertestes Erkennungszeichen ist der Bildschirm, der im wesentlichen in drei Abschnitte aufgeteilt ist. Die ersten vier Zeilen zeigen rechts verschiedene Zustände des Editors in Piktogrammen (bildlichen Darstellungen), die weiß gefärbt sind, wenn sie aktiviert wurden (Bild 1). Links oben findet man den aktuellen Textnamen, sowie die Anzeige der aktuellen Zeilen- und Spaltenposition des Cursors und die Größe des im Moment gerade noch verfügbaren Textspeichers. Darunter befindet sich nach einer Tabulatorzeile der eigentliche Texteingabebereich. Er ist mit einer einstellbaren Farbe gekennzeichnet. Die Grenzen werden durch abgesetzte Linien markiert. So kann man jederzeit erkennen, ob man gerade die obere, untere, linke oder rechte Textgrenze erreicht hat. Die unteren vier Zeilen stellen jeweils einen Ausschnitt des Menü-Baumes dar. Über diese Menüstruktur kann man alle Funktionen des Programmes mittels der Funktionstasten erreichen. Für Fortgeschrittene sind aber die wichtigsten Funktionen über die bewährten Controll-Befehle erreichbar. Durch die großzügig und übersichtlich gestalteten Hilfsanzeigen wird zwar der eigentliche Textbereich auf 16 Zeilen eingeengt, man kann ihn aber auch durch Abschalten der Menüanzeige auf 20 Zeilen vergrößern. Dabei wird durch Druck auf irgendeine Funktionstaste die jeweilige Menüanzeige wieder aktiviert, und verschwindet erst wieder, wenn man mit der Eingabe eines Textes fortfährt. Um die Übersichtlichkeit weiter zu erhöhen, werden alle Textsteuerzeichen wie Einrückungen, Absatz- oder Druckersteuerzeichen in anderen, vom eigentlichen Text unterschiedlichen Farben dargestellt. Geradezu sensationell ist ein zweiter, jederzeit verfügbarer Zeichensatz, der beliebig mit dem ersten gemischt werden kann. So wird zum Beispiel eine andere Druckschrift bereits auf dem Bildschirm und nicht erst auf dem Drucker dargestellt. Diese beiden Schriften lassen sich auch über ein externes Dienstprogramm verändern und speichern. Falls man einen Fehler bei einer der zahlreichen Funktionen gemacht hat, bekommt man eine ausführliche Fehlermeldung zusammen mit Piktogrammen zum jeweiligen Thema gezeigt. So steht ein Blatt Papier für Fehler beim Editieren oder eine Diskette für Fehler beim Disketten-Zugriff.
Selbstverständlich sind alle bekannten und benötigten Standardbefehle zur Textmanipulation vorhanden. Zum Einfügen oder Löschen einzelner Zeichen fungiert, wie gewohnt, die <INST/ DEL>-Taste rechts oben. Die < CLR/HOME > -Taste hat jetzt die Funktion ganze Zeilen einzufügen oder zu löschen. Dies ist etwas unglücklich gewählt, da man bei unbedachtem Drücken auf <HOME> schnell mal eine komplette Zeile verlieren kann, obwohl man doch, wie in Basic gewohnt, nur in die linke, obere Ecke des Bildschirms wollte. Blockoperationen wie Kopieren, Löschen oder Verschieben eines Textabschnittes ermöglichen eine flexible Änderung des Textes. Bemerkenswert dabei ist auch das stückweise Speichern eines definierten Blockes. Dabei kann der Block zeichenweise festgelegt werden, also sowohl mitten in einer Zeile anfangen als auch aufhören. Er wird mit einer anderen Farbe deutlich vom Text abgegrenzt. Bestimmte Textstellen lassen sich gezielt suchen und auch gleich durch einen anderen Begriff ersetzen. Ferner kann man hier Suchkriterien einstellen, wie etwa das Suchen nach einer Textstelle, unabhängig von Groß- und Kleinschreibung.
Umfangreiche Editor-Funktionen
Öfters im Text vorkommende Begriffe lassen sich ebenfalls automatisch ersetzen. Über zehn Floskeltasten lassen sich immer wieder vorkommende Satzteile definieren und einsetzen. Floskel-Texte können aber nicht nur reinen Text beinhalten. Vielmehr dürfen auch Steuerzeichen für Funktionsaufrufe enthalten sein, so daß in Grenzen die Bildung von Funktionsmakros möglich ist. Floskeln dürfen sich auch gegenseitig aufrufen und können damit auch längere Textpassagen erzeugen. Einige der Floskeltasten sind auch mit Rechenformeln belegbar. Somit sind komplizierte und immer wieder benötigte Formeln, die für den weiter unten geschilderten Rechenmodus gebraucht werden, mit dem Text zusammen speicherbar. Praktisch und ungewöhnlich ist die schon erwähnte Anzeige der verschiedenen Betriebsmodi mit Piktogrammen. Dabei informiert ein Pfeil über die Aktivierung eines Einfügemodus. Eingeschaltet, wird jedes Zeichen in den bestehenden Text eingefügt und dabei der alte Text nach rechts und unten weggeschoben. So lassen sich nahezu beliebig große Textblöcke nachträglich einsetzen. Ein anderes Piktogramm zeigt das Einschalten einer gesperrten Schreibart, in derjedes Zeichen automatisch vom vorher eingegebenen durch ein festes Leerzeichen getrennt wird. So läßt sich gesperrte Schrift, beispielsweise für Überschriften notwendig, leicht erzeugen. Mit einem Scrollmodus kann man leicht über den ganzen Text fahren. Hierbei wird nicht der Cursor bewegt, sondern der Text »gleitet« unter dem feststehenden Cursor hindurch. Das vierte Piktogramm schließlich zeigt die zweite Schriftart an, wenn sie aktiviert wurde.
Man kann diese Piktogrammanzeige in der rechten, oberen Ecke allerdings auch durch eine einstellbare Uhr, oder durch eine Fensterdarstellung ersetzen. Dabei gibt das ersatzweise eingeblendete Fenster einen Überblick über den gerade eingegebenen Text. Hier wird jeder Buchstabe als Grafikpunkt abgebildet, und da die Anzeige bis maximal 96 Pixel breit sein kann, wird der Text in seinem Schattenriß dargestellt. Das erhöht die Übersicht über das spätere Aussehen des Ausdrucks wesentlich. Der Cursor läßt sich durch viele verschiedene Befehle sehr flexibel positionieren. Dabei kann man neben den üblichen Cursortasten, die zeichenweise arbeiten, den Cursor wortweise links und rechts positionieren. Auch seitenweises Durchblättern zum Korrekturlesen ist möglich. Zudem läßt sich der Cursor zu einer bestimmten Zeile oder Seite bewegen. Diese ganzen Befehle sind, wie alle anderen Funktionen auch, über die Menütechnik und Funktionstasten wie auch direkt über Buchstabentasten in Verbindung mit der <CTRL>-Taste erreichbar. Die fest über dem Textbereich eingebaute Tabulatorzeile enthält die verschiedenen Text- und Zahlentabulatoren. Leider ist nur diese eine Tabulatorzeile pro Text vorhanden, so daß eine Neudefinition nicht möglich ist. Auch funktioniert der Sprung und das Einordnen von Zahlen unter einem Zifferntabulator nicht optimal, da darunterliegende Zeichen entweder verschoben oder gelöscht werden. Praktisch und nicht unbedingt selbstverständlich ist die deutsche Tastaturbelegung. Wem das allerdings in der festgelegten Version nicht genügt, der kann sich jederzeit eine neue Belegung erstellen und auch Speichern. Wer einen C 128 besitzt und dieses Programm im C 64-Modus laufenläßt, der wird überrascht sein. Denn trotz des erwähnten Modus sind auch die zusätzlichen Cursortasten, der Ziffernblock und einige Sondertasten oberhalb der Schreibmaschinen-Tastatur erreichbar und können verwendet werden. Ebenfalls sinnreich ist der jederzeit ein- und ausschaltbare akustische Tastaturklick und der »gleitende« Cursor, der sanft von einem Buchstaben zum nächsten wandert und nicht abgehackt, wie allgemein üblich, zum nächsten Zeichen springt. Mehr als hilfreich sind auch die jederzeit aufrufbaren Hilfs-Texte, die Hilfestellungen zu manchen Problemen geben. Sie müssen allerdings nachgeladen werden und benötigen daher die mitglieferte Hilfsdiskette. Mit dieser Unterstützung kann man schon bald das Handbuch weglegen. »Maintext 64« hält den Text im wesentlichen schon in seiner späteren Druckform im Speicher. Damit erübrigt sich ein spezielles Umformatieren für den späteren Ausdruck und man kann sofort erkennen, wie der Text später auf dem Papier aussehen wird. Wichtig dafür ist allerdings eine flexibel einstellbare Textbreite. »Maintext 64« verwöhnt hier besonders, da es gestattet, jederzeit die Textbreite zwischen 10 und 250 Spalten einzustellen. Man kann so beispielsweise den Text im 40-Zeichen-Format eingeben und leicht Korrekturlesen und danach erst auf die endgültige Druckbreite einstellen. Bei Breiten über 40 Zeichen setzt horizontales Scrolling bis zu den festgelegten Grenzen ein. Sehr sinnvoll und ungewöhnlich ist auch die Silbentrennung beim Umformatieren.
Hier werden lange Wörter nach den Regeln und den wichtigsten Ausnahmen der Silbentrennung geteilt und diese Teilung als Vorschlag angezeigt. Man kann jetzt den Vorschlag nachbessern und dann in den Text einfügen. Bei der Textanpassung werden auch Einrückungen berücksichtigt und neu gesetzt. Leider unterstützt die vorliegende Version noch keine Kopf- und Fußzeilenerstellung, und auch eine Serienbriefverwaltung fehlt noch. Der Einbau dieser Funktionen ist aber vom Autor bereits angekündigt.
Im Rechnen gut
Ausführlich und leistungsstark sind die eingearbeiteten Rechenfunktionen. So stehen für die Berechnung umfangreicherer Formeln, neben den vier Grundrechenarten, sämtliche Basic-Rechenfunktionen wie Wurzelziehen, Absolutbildung und viele andere mehr zur Verfügung. Das Ergebnis einer Berechnung läßt sich natürlich in den Text übernehmen. Aber damit noch lange nicht genug der Rechnerei. Denn neben den schon erwähnten Basic-Rechenfunktionen sind auch alle Stringfunktionen erreichbar. Man kann so über die Systemvariablen LINE$ und CHAR$, in denen die gerade aktuelle Cursorzeile oder das Zeichen unter dem Cursor steht, Textteile nach Formeln umgruppieren oder beliebig manipulieren und wieder in den Text einfügen. Über den Rechenmodus sind ferner einige interessante Sonderbefehle erreichbar. So kann man die Zahlenausgabe bei Rechenergebnissen beeinflussen. Hier lassen sich beispielsweise feste Nachkommastellen, Dreiergruppen und das Dezimaltrennzeichen einstellen. Doch die Palette der Befehle reicht noch weiter. »VOLUME« beeinflußt die Lautstärke des Gonges, der zur Erinnerung bei aufgetretenen Fehlern ertönt. Mit »BLINK« kann man die Blinkgeschwindigkeit der Cursors verändern. Ebenfalls einstellbar sind die Warte- und Wiederholzeiten bei längerem Druck auf eine beliebige Taste. Auch der eingesetzte Tastaturtyp ist einstellbar. Normalerweise arbeitet das Programm mit einer sogenannten »3-Key-Rollover«-Tastatur, womit angedeutet werden soll, daß auch bei zwei schon gleichzeitig gedrückten Tasten noch eine dritte registriert wird. Dieser Tastaturtyp läßt sich aber mit einem speziellen Befehl noch verändern oder auch ganz abschalten. Ein weiterer Befehl stellt die »Weichheit« der Cursorbewegung ein, also wie weich der Cursor gleiten soll. Profis können hier auch die Warnungen bei bestimmten Löschoperationen ausschalten. Ferner ist hier auch die eingebaute Uhr und auch eine Alarmzeit einstellbar, zu der man wieder aus dem so bekömmlichen Büroschlaf geweckt werden sollte. Sehr praktisch ist auch der »SET«-Befehl. Mit ihm kann man einzelne Speicherstellen im Bereich zwischen der Adresse 2 und 1023 manipulieren. So lassen sich beispielsweise verschiedene IEEE-Interfaces, mit denen das Progamm meist problemlos zusammenarbeitet, von seriellen auf parallelen Busbetrieb umschalten. Apropos Interfaces — das Programm läßt sich dank seiner Konzeption einwandfrei mit vielen IEEE-Schnittstellen und daran angeschlossenen Diskettenstationen betreiben. Ein Betrieb mit einer angeschlossenen SFD 1001-Floppy funktionierte problemlos.
Der Diskettenzugriff
Auch hier überrascht das Programm durch die gute Ausstattung mit leistungsfähigen Funktionen. Praktischerweise kann man bei der Eingabe eines Dateinamens beim Laden eines Textes auch eine beliebige Textmaske mit den bekannten Jokerzeichen »?« und »*« verwenden. Dann erscheinen alle Texte, die in das vorher bestimmte Muster passen, in alphabetischer Reihenfolge und man kann nun einen der gebotenen Texte mit dem Cursor auswählen und in den Speicher einladen. Diese Funktion ist auch beim Einladen eines Druckertreibers oder einer Tastatatur-belegung, kurz also bei allen Ladeoperationen, verfügbar. Texte werden normalerweise im speziellen Maintext-Format zusammen mit Farbwahl, Floskeltasten und anderem gespeichert. Man kann Texte aber auch als ASCII-Dateien speichern, wobei alle im Text vorkommenden Steuerzeichen mit gespeichert werden. Unabhängig von der Speicherungsart wählbar ist dabei der verwendete Dateityp, so daß man sich frei entscheiden kann, ob der Text auf der Diskette den Typ »SEQ«, »PRG« oder »USR« hat. Maintext baut sowieso eine eigene Typordnung auf, wobei das Inhaltsverzeichnis so manipuliert wird, daß nach jedem Namen noch vor der normalen Typangabe ein eigener Programmtyp eingeschoben wird. So kann man leicht Textdateien von Druckertreibern, Tastaturdefinitionen, Zeichensätzen oder Systemdateien unterscheiden. Möglich ist auch das Nachladen von Textteilen in bestehenden Text. Dabei wird der neue Text von Diskette an der Cursorposition eingefügt. Einmalig ist eine andere Eigenschaft von Maintext 64. Zeichen, die nicht über die Tastatur eingegeben werden können, lassen sich mit einem vorangestellten Byte-Zeichen und nachfolgendem Zeichenwert in den Text einfügen. Wird nun ein Text mit solchen Zeichen als ASCII-Datei speichert, so wandelt Maintext 64 diese Zeichen-Werte beim Speichern automatisch um. Beispielsweise wird aus der Zeichenfolge »U23«, die insgesamt vier Zeichen im Text benötigt, beim Speichern das Zeichen mit dem Wert 123. Dabei repräsentiert das»VZeichen hier das Bytezeichen im Maintext-Speicher. Praktischerweise werden umgekehrt Zeichen beim Laden von ASCII-Texten, die nicht über die Tastatur erreichbar sind, wieder in die bekannte Byte-Schreibweise zurückübersetzt. Damit werden auch solche Zeichen beim Laden und Speichern richtig umgesetzt und gehen so nicht verloren.
Datenbank gefällig?
Neben den beiden auf der Diskette speicherbaren Textformen »Maintext« und »ASCII« existiert noch eine dritte Art der Speicherung von Texten. Es lassen sich mit Hilfe von eingebauten Datenbankfunktionen Ordner, quasi ein Unterverzeichnis im Inhaltsverzeichnis, auf der Diskette eröffnen und in einen dieser Ordner bis zu 650 Texte-Ordner ablegen. Diese Texte werden dort alphabetisch abgelegt und lassen sich auch gegen Überschreiben schützen. Interessant ist das Durchblättern verschiedener Texte in einem Ordner oder auch das gezielte Suchen nach einem Begriff in einem Text in einem bestimmten Ordner. Hierbei kann man mehrere Suchbegriffe bis zu achtmal logisch miteinander verknüpfen. Dabei stehen die Verknüpfungen »und«, »oder«, »nicht«, »weder-noch« und »entweder-oder« zur Verfügung. Auch die Klammerung zur Prioritätenfestlegung einer Verknüpfung ist zulässig. Mit all diesen Funktionen dringt man weit in das Feld der Datenbankprogramme vor und kann so einige Datenbestände mit »Maintext« anlegen und verwalten. Die erwähnten Datenbankfunktionen laufen derzeit allerdings nur mit einer Floppy vom Typ 1541 zusammen. An einem Ausbau auf die Typen 1570/71 wird aber nach Auskunft des Autors gearbeitet.
Programm-Tuning
Mit dem Textprogramm mitgeliefert werden einige Module. Diese Module beinhalten zusätzliche Funktionen wie eine neue Backspace-Belegung, Einbrennschutz für den Bildschirm, Speicherschutz für verwendete IEEE-Schnittstellen, besondere Grafikzeichen zur Textverarbeitung und noch einiges mehr. Wer einzelne dieser Module braucht und auf den entsprechenden Textspeicherplatz verzichten kann, der lädt diese Module einfach nach. Vom Autor ohnehin beabsichtigt ist eine Auslagerung von einigen der weniger benötigten Funktionen in nachladbare Module, womit dann mehr freier Textspeicher verfügbar wird. Ferner sind für die Zukunft weitere Module und auch eventuell eine Anleitung, wie man Module selbst erstellen kann, geplant. Man kann sich so einige der gebotenen Funktionen selbst zusammenstellen oder auch das Programm mit neuen Fähigkeiten ausstatten.
Da pfeift der Drucker
Doch nun zum Ausdruck. Auch hier bietet »Maintext 64« neben allseits bekanntem einiges neues. Auf der Programmdiskette werden Treiber für die wichtigsten Drucker mitgeliefert. Wen das allerdings nicht befriedigt, der kann sich über ein externes Treiber-Erstellungsprogramm leicht seinen eigenen Druckertreiber zusammenstellen. Auch Ausgabe über eine am User-Port simulierte Centronics-Schnittstelle ist möglich. Ein passender Treiber kann zum Standardtreiber ernannt werden und wird dann automatisch zusammen mit ebenfalls bestimmbaren Schriftsätzen, Tastaturbelegungen und Modulen beijedem Programmstart mitgeladen. In jedem Treiber läßt sich jeder Buchstabe zusammen mit der Commodore-Taste mit einem bestimmten Druckbefehl koppeln. Diese Zeichen erscheinen dann im Text, wenn sie zusammen mit der Commodore-Taste gedrückt wurden, in einer Extrafarbe und als kleingeschriebene, hochgestellte Buchstaben und sind dann als Drucker-Steuerzeichen leicht erkennbar. Damit lassen sich alle Druckmöglichkeiten wie Unterstreichen, Fettschrift, Elite oder NLQ-Schrift einstellen. Doch damit nicht genug. Aus jedem grafikfähigen Drucker, und sei er noch so mager mit Extramöglichkeiten gesegnet, kann »Maintext 64« noch einiges mehr rausholen. Breitschrift, Umlaute und Sonderschriften auf Commodore-Druckern werden so möglich. Noch beeindruckender ist die Fähigkeit mittels Mikroschritten im Grafikmodus des Druckers echten Blocksatz mit gleichen Leerabständen zwischen den einzelnen Wörtern zu realisieren. Auch bei verschiedenen Schriftbreiten wie Elite und Pica oder Breit- und Normalschrift kommt das Programm nicht ins Schleudern, sondern druckt alles in echtem Blocksatz, soweit gewünscht, aus. Ebenfalls bemerkenswert ist die Möglichkeit mittels Druck im Grafikmodus ausgefallene Schriften auf dem Bildschirm auch dem Drucker zukommen zu lassen. Das geht natürlich auf Kosten der Geschwindigkeit, da beim ständigen Umschalten von Normalschrift zum Textdruck und Grafik für Leerzeichen und Sonderschriften jedesmal der Druckpuffer geleert wird und damitjedesmal neu positioniert werden muß. Hauptsache ist, es funktioniert und bringt ein sehr sauberes Textbild zustande. Über im Text einzustreuende und fest vorhandene Steuerzeichen kann linksbündige, zentrierte oder rechtsbündige Schrift eingestellt werden. Auch Blocksatz oder Flattersatz wird über spezielle Zeichen aktiviert.
Fazit
Das Programm »Maintext 64« vereinigt bekannte und unverzichtbare Textverarbeitungsfunktionen zusammen mit einer Reihe von neuen Möglichkeiten wie Piktogrammanzeige, Moduleinbau zur individuellen Anpassung oder Druckmöglichkeiten über Grafikdruck. Leider dürfte die späte Markteinführung die Durchsetzung dieses neuen Programmes ein wenig hemmen. Aber an einer noch leistungsfähigeren Variante von »Maintext 64« für den C 128 wird in absehbarer Zeit gearbeitet und dürfte dann einigen Textprogrammen der Spitzenklasse für den C 128 schwer zu schaffen machen. Ferner ist eine Version für den C 16/C 16 angekündigt. Insgesamt bekommt man für 198 Mark ein Textverarbeitungsprogramm der Spitzenklasse, mit teilweise erstmals realisierten Sonderfunktionen und ausgezeichneter Benutzerführung. Die wenigen Schwächen fallen dabei kaum ins Gewicht, zumal sie ohnehin bis zur Erstauslieferung dieses Programms behoben sein dürften. Eine gute Ausgangsposition für eine weitere Verbreitung.
(Karl Hinsch/aw)Info: GES-Computer, Steinheimer Str. 22, 6450 Habau 1, Tel. 0 6181/2 48 26