MT-85 – der Leisetreter

Der Mannesmann MT-85 ist ein außergewöhnlicher Drucker, in dem eine Reihe von sinnvollen Ideen verwirklicht wurden. So besitzt er zum Beispiel keine DIP-Schalter und kann Schriften-Module verarbeiten. Doch lassen Sie sich überraschen!

Foto des Mannesmann-MT-85-Druckers schräg von vorne

Man kann die Drucker von Mannesmann Tally auf fast allen Messen und in vielen Geschäften des Bürofachhandels finden. Trotzdem machen sie kaum Aufhebens von ihrem Dasein, denn man hört sie, im Gegensatz zur Konkurrenz, kaum. Erreicht wurde diese, für Matrixdrucker mit einer Druckgeschwindigkeit von 180 Zeichen pro Sekunde ungewöhnliche, Schalldämmung durch eine aufwendige Kapselung. So kommt es auch, daß man vom Papierantrieb, dem Druckkopf und der Papierführung eigentlich nur das sieht, was durch die getönte Plexiglasscheibe scheint. Trotzdem ist der MT-85 eher ein handlicher Tischdrucker, der äußerlich vor allem durch seine Höhe auffällt. Tatsächlich ist der MT-85 zugunsten der Höhe etwas kurz geraten. Durch diese Formgebung paßt er aber platzsparend neben jeden Computer, ohne dabei an seiner Leistungsfähigkeit etwas einzubüßen.

Wo sind die Schalter?

Wie bei jedem Druckertest haben wir uns natürlich auch beim MT-85 unverzüglich auf die Suche nach den DIL-Schaltern gemacht. Und sie nicht gefunden — der MT-85 hat keine DIL-Schalter, jedenfalls keine im herkömmlichen Sinne. Die Techniker haben sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, indem sie den MT-85 mit einem programmierbaren Einstellmodus versehen haben, der sogar nach dem Ausschalten noch erhalten bleibt. Wie das möglich ist fragen Sie? Nun, des Rätsels Lösung liegt in einem kleinen Speicherbaustein, der sich EEPROM (Electrical Erasable Programmable Read Only Memory) nennt. Wenn man nämlich beim Einschalten des MT-85 die »ALT«-Taste festhält, so schaltet man den Drucker in den Programmiermodus. Das Papier dient dabei als »Monitor« und die Funktionstasten erhalten die Bedeutung von Programmtasten. Zunächst wird der augenblickliche Zustand der elektronischen »DIL-Schalter« dargestellt. Danach hat man die Möglichkeit jeden beliebigen »Schalter« zu beeinflußen. Ist die gewünschte »Schalterstellung« erreicht, so verläßt man per Tastendruck den Programmiermodus. Die eben eingestellten Werte werden automatisch in dem EEPROM gespeichert und bleiben, auch ohne Stromversorgung, fast unbegrenzt erhalten. Will man wieder mal etwas ändern, so fängt man einfach von vorne an — der EEPROM nimmt nichts übel.

Doch damit nicht genug des Außergewöhnlichen. An der Vorderseite des Druckers, den man übrigens mit serieller (RS232-) oder paralleler (Centronics-)Schnittstelle erhalten kann, befindet sich ein Einschubschacht für Schriftenmodule. Dadurch wird der MT-85, der mit seiner NLQ-Schrift (Bild 1) ohnehin schon über eine sehr schöne Schrift verfügt, zum reinsten Schriftenwunder (Bild 2). Je nachdem, welches Modul (es gibt zur Zeit Italic II, Courier, Letter Gothic je 216 Mark) eingeschoben ist, hat man einen weiteren Zeichensatz zur Verfügung. Diese neuen Zeichendefinitionen erreicht man, wie ohne Modul die NLQ-Schrift, durch einfaches Drücken der ALT-Taste auf dem Bedienungsfeld. Auch sonst zeigt sich der MT-85 recht flexibel, denn er verfügt nicht nur über den Standard-ESC/P-Befehlssatz (Epson Standard Code for Printers), sondern auch über einen ausgewachsenen IBM-Modus, der ihn auch neben einem PC-10/PC-20 gut aussehen läßt. Wer den MT-85 mit der Centronics-Schnittstelle kauft (2029 Mark) und später einmal auf eine serielle Schnittstelle umrüsten möchte, braucht nur zwei Schrauben zu lösen, das Schnittstellenmodul herauszuziehen und das neue Modul einzustecken (RS232-Version 2110 Mark).

Druckprobe verschiedener Schriftarten des MT-85
Bild 1. Die Schriften des MT-85
Stark vergrößertes »Aa« als Schriftprobe
Bild 2. Die fünffach vergrößerte NLQ-Schrift

Gemischte Gefühle

So positiv sich der MT-85 auch im Test zeigt, (Tabelle), so gibt es doch zwei Punkte, die nicht ganz in das Bild passen. Es gibt für den Drucker einer deutschen Firma kein deutsches Handbuch! Darüber kann auch das exzellente englische Handbuch nicht hinwegtäuschen. Auch der Papierantrieb konnte nicht ganz befriedigen. Zum einen geht durch seine Konstruktion als Zugtraktor immer ein Blatt verloren, zum anderen verlieren die Traktorräder gelegentlich das Papier aus dem Griff. Dennoch ist der MT-85 ein Drucker, der durch sein platzsparendes Konzept, seinen leisen Druck und natürlich durch seine Leistungsfähigkeit, besonders im Bereich der Schriftenflexibilität und Grafik einen positiven Eindruck hinterläßt. Ob die angegebenen Listenpreise bei der derzeitigen Konkurrenzsituation auf dem Druckermarkt noch zeitgemäß sind, darf wohl mit Recht bezweifelt werden.

Name des Druckers: Mannesmann MT-85
empfohlener Preis: 2029 Mark
Unterstreichungen: Ja
Proportionalschrift: Ja
Zeichenmatrix: 9 x 12
NLQ: 18 x 24
Papierbreiten: 60—270 mm
Zeichenvorrat: ASCII + Intern
Papierarten: Einzel-Endlos
Durchschläge: 2
Zeichen/Zeile: bis 137
Selbsttest Ja
Hexdump: Ja
Autom. Einzelb. Nein
Pufferspeicher: 3 KByte
Rückwärtstransp.: Ja
Geschwindigkeit gem. 160 Zeichen/S
Geschwindigkeit angegeben 180 Zeichen/S
NLQ-Geschwindigkeit gem. 39 Z/S
Probetext: 2:08 Minuten
Ladbarer Zeichensatz: Ja
Grafikmodi: 480/576/640/720/960/1920 Punkte/Zeile
Funktionstasten: Online, FF, LF, Alternativer Zeichensatz
Ausstattung: Handbuch englisch, Papierseparator, Farbband
Schriftarten: Elite, NLQ, Doppel, Schmal, Fett, Breit, Hoch, Tief
Sonderfunktionen: Schriftmodule: Italic II, Letter Gothic, Kursiv
Tabelle: Das Profil des MT-85
(aw)

Info: Mannesmann Tally, Postfach 500749, 7000 Stuttgart 50, Tel: 0711/5 03 90

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