DFÜ-News
Interpool
Es ist nun schon fast zwei Jahre her, daß die erste private Mailbox in Deutschland an das öffentliche Telefonnetz angeschlossen wurde. Damals bestand der Benutzerkreis aus wenigen Hardwarefreaks, die sich ihre Akustikkoppler oder Modems zumeist selbst gebastelt hatten. Doch die »Szene« hat sich gewandelt. Baupläne und Basteltips für Modems sind out, spätestens seitdem komplette Koppler auch für Schülergeldbeutel erschwinglich sind. Und der Trend hält an. Immer mehr Leute wollen sich des neuen Mediums bedienen. Mailboxen schießen wie Pilze aus dem Boden. Mittlerweile gibt es bundesweit an die 300 elektronische Briefkastensysteme. Eine beachtliche Entwicklung, kaum ein anderes Medium hat so schnell Fuß gefaßt.
Damit die Telefongebühren jedoch im Rahmen bleiben, bewegen sich die meisten Mailboxbenutzer vorwiegend im Nahgesprächsbereich. Datex-P, das Datennetz der Deutschen Bundespost, ist für den Großteil auch zu teuer, zumal kaum eine Datex-Box gebührenfrei zu benutzen ist. Als unmittelbare Folge daraus hat ein beträchtlicher Anteil der Boxen regionalen Charakter, ein Erfahrungsaustausch mit DFÜ-Gruppen aus anderen Bundesländern ist kaum möglich. Bisher kümmerte sich jeder Sysop stets nur um die eigene Box. Der Blick über den »Tellerrand« hinaus fehlte.
Genau das war ein Thema beim Kongreß des Hamburger Chaos Computer Clubs, der Anfang März stattfand.
Dort setzten sich etwa 20 Mailboxbetreiber an einen Tisch und faßten einen interessanten Beschluß: Es soll der Verein »Interpool« gegründet werden. In ihm wollen sich die Boxbetreiber zu einem Informationsaustausch zusammenschließen. Dieser Austausch kann natürlich nur über einen zentralen Sammler, dem Pool eben, ablaufen. Hier soll jeder Boxbetreiber die interessanten News aus seiner Box einspielen. Im Gegenzug bekommt er für seine Box wiederum die interessantesten Mails der anderen bereitgestellt. So sollen die zunächst nur regional verfügbaren Nachrichten schnell bundesweit verteilt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist sogar eine Zusammenarbeit über Deutschlands Grenzen hinaus geplant. Durch den Interpool sollen die Mailboxen zu einem wirklich potenten neuen Kommunikationsmedium werden. Der Vereinszweck »Völkerverständigung« ist somit kaum zu hoch gegriffen. Natürlich gibt der Verein seinen Mitgliedern einige Auflagen vor. So sollen nur Boxen, die zuverlässig auch über einen längeren Zeitraum arbeiten, aufgenommen werden. Denn die Anzahl derer, die die Lust an ihrer Box nach einiger Zeit verlieren, ist beträchtlich. Auch die juristische Seite muß geklärt werden. Eine Art »elektronisches Copyright« soll eingeführt werden. Demnach dürfen die Mails aus den einzelnen Boxen nur in anderen aufgenommen werden, wenn diese auch dem Interpool angehören. Die Verbreitung darüber hinaus soll untersagt werden. Die Urheberrechte sollen jedoch beim Autor bleiben. Da der Verein die Gemeinnützigkeit anstrebt, können nur private und kostenfreie Boxen aufgenommen werden. Kommerzielle oder Werbezwecken dienende Systeme sind deshalb ausgeschlossen.
Im Moment suchen die Initiatoren des Vereins noch nach einer möglichst preiswerten Realisierung des eigentlichen Pools. Der entsprechende Computer soll über Datex-P erreichbar sein. Denn das kommt bei größeren Datenmengen wesentlich günstiger als eine normale Telefonverbindung.
Hier könnten dann die Informationen, nach Themenkreisen sortiert, gesammelt und den Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden.
Der Interpool ist wohl der erste bundesweite Versuch, ein alternatives Datennetz quasi »von unten« her aufzubauen. Eine Zensur wie in anderen Medien ist kaum möglich. Der Bildung von Informationsmonopolen könnte so entgegengewirkt werden. Wollen wir hoffen, daß es nicht nur bei der Idee bleibt.
(BHP/hm)Literaturtips für Hacker und DFÜ-Freaks
Aus dem Angebot der inzwischen auf dem Markt befindlichen Bücher für und über Hacker haben wir diesmal ein paar bemerkenswerte Exemplare herausgefischt:
Ammann, Lehnhardt, Die Hacker sind unter uns.
»Die Hacker sind unter uns« ist kein Lehrbuch für Hacker.
Es ist vielmehr eine gut und interessant geschriebene Einführung in die amerikanische Hackerszene. Aber auch deutsche Hacker kommem zu Wort. Berichte über die Aktivitäten deutscher Hacker in nationalen und internationalen Netzwerken und ein kleiner technischer Anhang schließen das Buch ab.
Fazit: Ein gut recherchiertes und flüssig geschriebenes Buch, das man auch mal dem Freund, der Freundin oder den Eltern in die Hand drücken kann, wenn sie immerzu wissen wollen, was man denn die ganze Zeit mit seinem Computer und dem Telefon treibt.
Info: Ammann, Lehnhardt, Die Hacker sind unter uns, Heyne Verlag München, 1985, ISBN 3-453-47055-9, Preis: 9,80 Mark.
Fernmeldetechnisches Zentralamt, Datex-P-Handbuch.
Das Original, direkt von der Post. Das umfassendste, was über Datex-P derzeit erhältlich ist: Ein DIN-A4-Ordner voll mit knochentrockener Technik über Datex-P. Vieles davon ist für den praktischen »Hackbetrieb« aber völlig unnötig. Das, was man als Hacker über Datex-P wissen muß, steht zum Teil auch in der Kurzbedienungsanleitung zu Datex-P, die es bei der Post kostenlos gibt.
Info: Fernmeldetechnisches Zentralamt, Datex-P-Handbuch, 1983, Fernmeldetechnisches Zentralamt Darmstadt. Bestellnummer: KNr 652 430 200-5, Preis 50 Mark.
Günter Wahl, Minispione V.
Die Reihe Minispione, die seit Erscheinen des ersten Bandes im Jahre 1969 zu den absoluten Rennern der Top-Buchreihe gehört, berichtet im Band 174/ 175 (der fünften Ausgabe der Minispion-Bände) auch einiges über Zusätze und Schaltungen rund ums Telefon. »Phone-Freaks« kann dieses Buch wärmstens empfohlen werden. Es werden, neben Grundlagen über das. Telefonnetz, auch Schaltungen rund ums Telefon, verbunden mit Tips für »weitergehende Nutzung«, geboten.
Info: Günter Wahl, Minispione V, Frech-Verlag Stuttgart, 1980, ISBN 3-7724-0474-X, Preis: 18,80Mark.
Deutsche Bundespost, Amtliches Verzeichnis der DATEX-L und DATEX-P-Teilnehmer der Deutschen Bundespost.
An sich das, was der angehende »Hacker« braucht — ein vollständiges Verzeichnis aller Datex-P-Teilnehmer. Praktisch so etwas wie das Telefonbuch für den Datex-Rechnerverbund. Doch bereits beim ersten Durchblättern kehrt schnell Ernüchterung ein: Da sind doch fast alle NUAs vergessen worden! Und so sinkt der Gebrauchswert dieser Broschüre nahezu auf Null, wenn man nach heftigem Blättern feststellen muß, daß bestenfalls nur bei 0,5% der Einträge die Datex-Nummern vorhanden sind. Geschehen ist das Ganze wohl aus Angst vor diesen ominösen Hackern, denn in der Nullausgabe dieses Verzeichnisses waren noch alle NUAs vorhanden. Wer’s trotzdem will: Info: Deutsche Bundespost, Amtliches Verzeichnis der DATEX-L und DATEX-P-Teilnehmer, Bestellungen über das Fernmeldeamt 2, Postfach 10 00 12, 8500 Nürnberg 1 oder Müller Adress GmbH, Pretzfelder Str. 7—11, 8500 Nürnberg 90, Preis: 12 Mark.
Unterrichtsblätter der Deutschen Bundespost, Ausgabe B Fernmeldewesen.
Technisch knallharte Informationen (Anschaltung automatisierter Dienste an das Fernsprechnetz etc.) wechseln sich ab mit langatmig Uninteressantem (Werkstoffe, die man Kunststoffe nennt). Für technisch Bewanderte (und welcher Hacker ist das nicht) ein absolutes Muß, zumal der Preis lächerlich gering ist: Ein Abonnement für ein ganzes Jahr (12 Ausgaben) kostet nur DM 7,20! Bestellungen erfolgen mit dem Formular »Zeitungsbestellung«. Erhältlich bei: Schriftleitung der Unterrichtsblätter der DBP, Fernmeldewesen, Postfach 555, 2000 Hamburg 36.
Hurth, Bruno, Sybex Mailboxführer
Dieses Buch richtet sich an alle DFÜ-Neulinge, die den ersten Kontakt zu diesem Kommunikationsmedium suchen. Im Mailboxführer werden nämlich die bekanntesten Mailboxen Deutschlands vorgestellt. Dabei wird beschrieben, wie man in sie hineinkommt und mit welchen Einstellungen sie arbeiten. Auszüge (Kommunikationsprotokolle) aus den Mailboxen geben zum Teil schon einen guten Eindruck darüber, was in den Boxen geboten wird. Außerdem erfährt man, wie man sich bei den verschiedenen Mailboxen eine private Box einrichten lassen kann und was allgemein beim Umgang mit Mailboxen beachtet werden sollte.
Info: Bruno Hurth, Sybex Mailboxführer, Sybex Verlag Düsseldorf, 1985, ISBN 3-88745-620-3, Preis: 14,80 Mark.

Hurth, Bruno und Manfred, Das Modembuch zur DFÜ
Ein Buch für den Hacker und den Datex-P-Anfänger. Hier findet man vieles, was man häufig vergebens sucht: Adressen von Mailboxen und ein nach Sachgebieten sortiertes Verzeichnis von Datenbanken und deren Hosts. Die erwähnten Datenbanken sind alle dem Euronet DIANE angeschlossen. Ebenso gibt es ein nach Orten angelegtes Verzeichnis von Informationsvermittlungsstellen in Deutschland.
Das Datenbank- und Hostverzeichnis nimmt etwa die Hälfte des Buches ein. In der anderen Hälfte erfährt man Wissenswertes über alles, was mit DFÜ zu tun hat: Schnittstellennorm V.24, Akustikkoppler, Btx, Datex-L und Datex-P.
»Das Modembuch zur DFÜ« ist ein gelungenes Nachschlagewerk für alle die, die sich mit professioneller Datenkommunikation beschäftigen. Aber auch derjenige, der seinen ersten Kontakt zu professionellen Datennetzen sucht, wird seine Freude an diesem Sybex-Buch haben. (BHP/hm)
Info: Manfred und Bruno Hurth, Sybex Verlag Düsseldorf, 1985, ISBN 3-88745-619-X, Preis: 24,80 Mark.
Neuer Dataphon-Koppler
Woerltronik bietet ab Mitte April einen neuen Typ des bekannten Akustikkopplers Dataphon an. Der neue Dataphon s 21/23 Kombi soll gegenüber dem s21d einige Vorteile haben: Induktive und akustische Kopplung, Btx-fähig (mit DBT03-kompatibler Rundbuchse) Übertragungsgeschwindigkeiten 300, 600, 1200 bit/s im Hauptkanal und 75 bit/s im Nebenkanal. Bei Halbduplex sind auch 1200/1200 bit/s möglich (Bei Datex-P ist allerdings Vollduplex nötig). Über die RTS-Leitung soll eine automatische Sende- und Empfangsumschaltung realisiert werden können. Ein automatischer Geschwindigkeitswandler schaltet von selbst von 1200 bit/s auf 75 bit/s im Rückkanal um. Die Stromversorgung erfolgt über Batterie, Netzteil oder V.24-Schnittstelle.
Der »Universalkoppler« soll etwa 400 Mark kosten. (hm) Info: Wörlein GmbH, Hindenburgstr. 37, Postfach 4, 8501 Cadolzburg, Tel. 09103/ 82 94 oder 85 52
Merlinkarte nochmals verbessert
In der letzten Ausgabe stellten wir Ihnen die Merlin 4-fach-Expansion-Port-Karte vor. Zusammen mit dieser bietet Merlin nun einen verbesserten Modulgenerator an. In einem EPROM können nun bis zu acht Programme untergebracht werden. Jedem Programm kann ein Name gegeben werden. Wird eine solches EPROM am Expansion-Port angeschlossen, erscheint nach dem Einschalten des C 64 oder C 128 ein Menü auf dem Bildschirm, über das eines der Programme gewählt werden kann. Jedes Programm selbst kann aus acht Teilen bestehen. Beispielsweise einem Basic-Programm, das sieben Maschinenroutinen an verschiedenen Adressen verwendet. Beim Initialisieren des Moduls werden alle Programmteile an die richtige Adresse verschoben. Während ein Modul zusammengestellt wird, zeigt ein Byte-Zähler ständig an, welche Speicherkapazität das EPROM haben muß.
(hm)Als Geschenkidee …
für Computerfreunde bietet Döbbelin und Böder eine Disky Archivbox in den Farben Rot, Blau und Gelb an. Nach Wunsch mit zehn farbigen Disketten 5% Zoll (einfache Dichte). Ein anderes Set enthält neun schwarze Disketten und ein Katz- und Mausspiel für den C 64 oder besteht aus einer Disky-Archivbox (rot) und je zwei Disky 5% Zoll (einfache Dichte) in rot und blau, einem Mini-Reinigungsset für Diskettenlaufwerke und verschiedenen Diskettenaufkleber.
(hm)Info: Döbbelin und Böder, Wickerer Str. 50, 6093 Flörsheim am Main, Tel. 0 6145/50 20
Betrifft: Bestellungen und Anfragen an die B.H.P.
Anschrift:
B.H.P.
Die Bayrische Hackerpost
c/o Basis
Adalbertstr. 41b
8000 München 40
Tel. 089/808447/0 (Peter Haenelt)
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