C 64
Hardware-Test

Epson LQ-800, ein Meister seines Faches

Der LQ-800 ist ein Traum aus Stahl und Plastik. Mit seinen 24 Drucknadeln produziert er ein Schriftbild, das den Namen Briefqualität zu Recht trägt.

Attribute wie »schön, leistungsstark, faszinierend und etwas avantgardistisch« beschreiben den Epson LQ-800 (Bild 1) sicherlich nicht falsch. Vergleicht man sein Schriftbild mit dem der meisten Konkurrenten, so sind die »Anderen« eben nur »Drucker« während der LQ-800 sich in die höheren Sphären eines kleinen Wunderwerkes erhebt. So ein »Wunder« hat allerdings auch seinen Preis. Mit 2498 Mark ist der LQ-800 der teuerste Drucker, den wir bislang getestet haben. Deshalb wollen wir ihn auch nicht in der Konkurrenz um den Titel des Referenzdruckers antreten lassen. Betrachten wir vielmehr, wozu ein exklusiver Matrixdrucker heute in der Lage ist. Obwohl sicherlich nicht billig, paßt der LQ-800 gut zum C 64, besser noch zum C 128, denn er läßt sich wie der bekannte FX-85 von den meisten Textprogrammen und natürlich auch per Maschinen- beziehungsweise Basic-Programm steuern. Alle Programme, die für den FX-85 (früher FX-80) geschrieben wurden, lassen sich auf dem LQ-800 ebenfalls verwenden, dabei wird allerdings etwas von seinen Fähigkeiten verschenkt, denn dann liegen 16 der 24 Drucknadeln brach. Seine volle Text- und Grafikfähigkeiten entfaltet der LQ-800 nämlich erst dann, wenn man jede seiner Nadeln auch wirklich drucken läßt, dazu aber später mehr.

Bild 1. Der LQ-800 - schön und leistungsfähig

Rein äußerlich ist der LQ-800 eher ein schlichter, sachlicher Geselle, dem man seine Fähigkeiten nicht von außen ansieht. Die Ausmaße des Gehäuses sind kleiner als die des FX-85, trotzdem verarbeitet der LQ-800 natürlich Einzel- und Endlospapier, letzteres allerdings nur dann ordnungsgemäß wenn ein zusätzlicher Traktor (130 Mark) verwendet wird. Auf der Gehäuserückseite befindet sich die, bei Druckern glücklicherweise zum Standard gewordene, Centronics-Schnittstelle. Direkt daneben ist eine sechspolige DIN-Buchse, wie sie auch für den seriellen Bus des C 64 verwendet wird. Obwohl der Stecker passen würde, darf man hier auf keinen Fall den C 64 anschließen, denn die Buchse stellt eine RS232C dar. Nur wer an seinem C 64 ein RS232C-Modul hat, kann den Drucker an dieser Buchse anschließen. In allen anderen Fällen sollte man die Centronics-Buchse und eine der in der letzten Ausgabe vorgestellten Schnittstellen verwenden. Der LQ-800 besitzt ebenso wie der FX-85 eine Gehäuseklappe am rechten hinteren Eck. Darunter befinden sich aber nicht, wie man zunächst vermutet, die DIL-Schalterreihen (die sind an der Gehäuserückseite), sondern ein Modulsteckplatz mit besonderen Fähigkeiten. Durch einfaches Einstecken von extra erhältlichen Schrift- (Courier, Script, Prestige Elite, Sanserif und OCR B; Preis pro Modul 125 Mark) oder Steuermodulen (IBM, Epson extended, Diabolo 630; Preis pro Modul 198 Mark) kann man das Aussehen des Schriftbildes, beziehungsweise die Befehlstabelle des Druckers, in beinahe jeder gewünschte Weise verändern. Wenn man einen Blick auf den relativ zierlichen Druckkopf mit seinen in zwei versetzten Reihen angeordneten 24 Drucknadeln wirft, fällt die Vorstellung nicht schwer, welche vielfältigen Schriftvariationen denkbar sind. Aber auch ohne Schriftmodule ist schon einiges an Variationen geboten. Neben den in der ESC/P-Norm festgelegten Schriftarten wie fett, breit, schmal, unterstrichen, proportional, hochgestellt, tiefgestellt, und doppelt (Bild 2) steht ein Pufferspeicher von 7 KByte für eigene Zeichen zur Verfügung. Alle diese Variationen können durch die »Master Style«-Betriebsart auf einfache Weise miteinander kombiniert werden. Die eigentliche Sensation ist aber die »Letter Quality«-Schrift, bei der das »Near« davor getrost weggelassen werden kann, denn die Punktmatrix hat eine Auflösung von 29 x 23 Punkten (Bild 3). Der Unterschied zu einer Typenradschreibmaschine ist wirklich kaum mehr zu erkennen, allerdings hat man mit dem LQ-800 auch in der Schönschrift wesentlich mehr Schriften zur Auswahl als mit einem Typenrad. Sogar bei der äußerst kritischen Italic-Schrift (Schrägschrift) muß der LQ-800 nicht passen, die Ränder sind sauberund lassen kaum Einzelpunkte erkennen.

Bild 2. Alle Schriftveränderungen stehen in Normal- und Schönschrift zur Verfügung
Bild 3. Die Schönschrift trägt ihren Namen zu Recht (fünffache Vergrößerung)

Trotz seiner 24 Beine kommt der LQ-800 nie ins Stolpern. In der Normalschrift (9 x 23 Punktmatrix), die sich übrigens auch sehen lassen kann, schafft er flotte 180 (gemessen 165) Zeichen pro Sekunde (Probetext in 1:34 Sekunden). Davon bleiben im Schönschriftmodus (LQ) volle 60 (gemessen 57) Zeichen pro Sekunde übrig, da der LQ-800 nicht wie 8-Nadeldrucker mehrfach über eine Zeile streichen muß. Der LQ-800 arbeitet im Schönschrift-Modus weiterhin wie gewohnt, indem er vorwärts und rückwärts einmal pro Zeile druckt, wobei Leerstellen übersprungen werden. Die Geschwindigkeit, mit der das Papier weiterbefördert wird, entspricht ungefähr der des FX-85.

Als wahrer Künstler entpuppt sich der LQ-800 im Grafikbetrieb. Bei den schon vom FX-85 bekannten Grafikmodi mit einer Auflösung von bis zu 1920 Punkten pro Zeile (vierfache Dichte) bemüht der LQ-800 lediglich acht Nadeln. Aktiviert man dann die restlichen Nadeln mit einfachen ESC-Befehlen, wird es beinahe unheimlich (Tabelle). Im höchsten auflösenden Modus werden 2880 Punkte pro Zeile gedruckt (sechsfache Dichte). Verwendet man in diesem Modus poröses Papier, kann man das Gedruckte in exzellenter Qualität sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite des Papiers wiederfinden. Hat man aber glattes Papier eingespannt, so ist es problemlos möglich, beispielsweise reproduktionsfähige Platinenlayouts zu drucken.

Name des Druckers Epson LQ-800
empfohlener Preis 2498 Mark inkl.
Unterstreichen Ja
Proportionalschr. Ja
Zeichenmatrix 9 x 23 Punkte
LQ-Matrix 29 x 23 Punkte
Papierbreiten bis 240 mm
Zeichenvorrat ASCII + Intern.
Papierarten Einzel/Endlos
Durchschläge 2 + Original
Zeichen pro Zeile 102 bis 254
Selbsttest Ja + LQ-Test
Hexdump Ja
Autom. Einzelbl. Nein
Pufferspeicher 7 KByte
Rückwärtstransp. Ja
Ladb. Zeichensatz Ja
Probetext 1:34 Sekunden
Geschwindigkeit 180, Messung 165
NLQ-Geschw. 60, Messung 57
Grafikmodi 8-Nadeln: 60—240 P./Inch. 24 Nadeln: 60—360 P./Inch
Funktionstasten FF, LF, Online, mit Zweitfunktion LQ, Draft
Ausstattung deutsches Handbuch, Farbband Einzelblatthalter
Schriftarten Elite, Italic, Fett, Breit, Schmal, Doppelt, Prop. Hoch + Tief
Sonderfunktionen Schriftkombination, Schriftmodule, RS232C eingebaut
Das Portrait des LQ-800

Nur ein Traum?

Seine überlegenen Leistungen, aber auch sein Preis verleihen dem LQ-800 das Image eines Traumdruckers. Aber müssen Träume Illusion bleiben? Der LQ-800 wird sicherlich nicht an der Mehrzahl der C 64, beziehungsweise C 128 seinen Dienst verrichten, wer aber Wert auf höchste Flexibilität, exzellentes Schriftbild und hohe Geschwindigkeit legt, findet im LQ-800 einen zuverlässigen Partner für viele Jahre.

(aw)

Info: Epson Deutschland GmbH, Zülpicher Str. 6, 4000 Düsseldorf 11, Tel. 0211/5603110

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