C 64
Hardware-Test

Der Präsident 6313 C — das preiswerte Schwergewicht

Mit rund sieben Kilogramm stellt sich der Präsident 6313 C als ein Schwergewicht unter den Druckern vor. Aber ist er auch ein Meister seiner Klasse? Wir haben ihn getestet.

Der Präsident 6313 C (Bild 1) erweckt zunächst den Eindruck, als ob er aus einer anderen Welt käme. Tatsächlich ist dieser Eindruck gar nicht so falsch, denn er ist das Produkt der ostdeutschen Staatswirtschaft, die versucht, mit dem westlichen Standard Schritt zu halten. Was zunächst eine gewisse Skepsis, in Anbetracht der Diskussion um den west-östlichen Technologie-Transfer, aufkommen läßt, gereicht dem Präsident 6313 C nicht unbedingt zum Nachteil. Zwar ist ansprechendes Design (er wirkt etwas klobig) nicht gerade seine Stärke, aber ein praktisches Gerät wie einen Drucker kauft man ja nicht nur als Schmuckstück für die Wohnung. Wer möglichst lange etwas von seiner Investition haben möchte, wird vielmehr Wert auf andere Attribute, wie beispielsweise einen soliden Aufbau, legen. In dieser Hinsicht hat der Präsident 6313 C allerdings einiges zu bieten. Er besitzt ein Chassis aus zwei Millimeter starkem Stahlblech, das alle anderen, ebenfalls äußerst robust ausgeführten Teile aufnimmt. Dieser Eindruck wird dann noch bestärkt, wenn man den Drucker das erste Mal hochhebt, denn im Vergleich zu fernöstlicher Konkurrenz mutet dieses Schwergewicht wie ein prähistorischer Dinosaurier an. Wer dabei nicht aufpaßt findet übrigens das Unterteil des Druckers recht unsanft auf seinen Zehen wieder, denn das Gehäuseoberteil ist erstaunlicherweise nur mit einem Scharnier befestigt. Hier haben die Konstrukteure den Ruf nach leichter Zugänglichkeit der DIL-Schalter etwas zu genau genommen. Hat man das Auspacken und Aufstellen bis hierher ohne Schaden an Leib und Drucker überstanden, wird man neugierig darauf, den leicht zu öffnenden Deckel wie die Kühlerhaube eines Autos nach oben zu klappen und das Innenleben des Druckers zu inspizieren. Der Motor für den Druckkopf-Transport ist in einem Druckgußgehäuse untergebracht, die Druckkopfführung besteht aus einem Vierkantprofil und auch sonst findet man Eisen soweit das Auge reicht. Der Druckkopf scheint etwas überdimensioniert, was aber sicher nicht negativ zu bewerten, sondern eher Ausdruck östlichen Technologiestandards ist. Die Farbbandkassette hat die Maße 12 x 13 Zentimeter und läßt sich vorbildlich einfach einlegen, respektive wechseln. Die Finger behalten dabei ihre ursprüngliche Farbe. Die Einstellung der Anschlagstärke ist, wie man nun schon fast erwartet, mechanisch einwandfrei, aber nur mit schlanken Fingern problemlos zu verstellen. Der Antrieb des Druckwerkes erfolgt mit einem Stahlseilzug, der sogar eine Spannvorrichtung in Form einer einfachen Feder aufweist.

Bild 1. Der Präsident — robust und preiswert

Der Präsident 6313 C verarbeitet sowohl Endlos- als auch Rollenpapier und Einzelblätter, die allerdings nicht automatisch eingezogen werden. Letztere werden ähnlich einer Schreibmaschine von oben hinter der Gummiwalze eingeführt und dann ausgerichtet. Der nötige Papierlöser ist unmittelbar am Drehknopf angebracht. Bei Endlos- oder Rollenpapier wird der Einführschlitz an der Rückseite des Präsident 6313 C benutzt. Sicher ungewöhnlich ist die Anordnung der Stachelwalzen auf einer Achse mit der Gummiwalze. Leider ist er so gestaltet, daß beim Abreißen des Papiers an der schärfungsbedürftigen Abreißkante immer ein Teil des nächsten Blattes verlorengeht. Geradezu fortschrittlich erscheinen dagegen die 36 Mikroschalter, die unübersehbar auf der Vorderseite des geöffneten Präsident 6313 C angebracht sind. Diese Fülle an Schaltern löst sofort emsiges Blättern im (ost)deutschen Handbuch aus. Dort findet man dann Erstaunliches: Der Präsident 6313 C ist kompatibel zum Epson-Standard, zum IBM-PC, zu Commodore-Computern und auch zu Schneider-Computern soll er passen. Sollte hier etwa doch ein Meister aller Klassen des Arbeiter- und Bauernstaates stehen? Es sei an dieser Stelle vorweggenommen: Der Präsident 6313 C zeigt, daß nicht nur im fernen, sondern auch im nahen Osten gute Drucker gebaut werden.

Das Schnittstellenproblem ist durch das schon vom Epson GX-80 bekannte Modulkonzept gelöst worden. An der Rückseite des Druckers wird ein Modul eingeschoben, das die gesamte Elektronik für die jeweilige Schnittstelle enthält. Doch zurück zu den Schaltern. Mit ihnen wird zunächst die Wahl unter den verschiedenen Modul-Betriebsarten getroffen. Damit erhalten die restlichen Schalter völlig unterschiedliche Bedeutungen. Die Wahl aus zehn internationalen Schriftsätzen ist möglich: Pica, Elite, komprimierte oder fette Schrift können hier fixiert werden (Bild 2). Auch die recht ansprechende NLQ-Schrift (Bild 3) hat einen eigenen Schalter. Alle Auswahlmöglichkeiten sind auch mit dem CHR$-Befehl zu erreichen, außer Kraft zu setzen oder zu verändern. Der Präsident 6313 C ist mit 96 Zeichen pro Sekunde in der Normalschrift kein Meister der Geschwindigkeit, aber er nadelt zuverlässig seine Zeichen aufs Papier und auch vor der Grafik schreckt er nicht zurück (Tabelle). Im NLQ-Modus befindet er sich mit 23 Zeichen pro Sekunde in guter Gesellschaft.

Bild 2. Schriften, Made in GDR — der Präsident
Bild 3. Die NLQ-Schrift in fünffacher Vergrößerung
Name des Druckers Präsident 6313 C
empfohlener Preis 798 Mark
Unterstreichen Ja
Proportionalschr. Nein
Zeichenmatrix 9 x 9
NLQ-Matrix 14 x 14
Papierbreiten 40,2 bis 210 mm
Zeichenvorrat CBM + Umlaute
Papierarten Einzel/Endlos
Durchschläge 3 + Original
Zeichen pro Zeile 0 bis 132
Selbsttest Ja
Hexdump Ja
Autom. Einzelbl. Nein
Pufferspeicher Nein
Rückwärtstransp. Ja
Ladb. Zeichensatz Nein
Probetext 3:25 Minuten
Geschwindigkeit 96 Zeichen/sek
NLQ-Geschw. 23 Zeichen/sek
Grafikmodi 480 Punkte (CBM) bis 1920 (Epson)
Funktionstasten Online, LF vor, LF zurück, FF, 36 DIL-Schalter
Ausstattung Formularaufsatz, Rollenhalter, deutsches Handbuch
Schriftarten Pica, Elite, Schmal, Breit, Doppel, Fett, Hoch-, Tiefgestellt
Sonderfunktionen Halbe Geschwindigkeit
Tabelle. Gute Leistungen für 798 Mark

Empfehlenswert

Der Präsident 6313 C ist ein gutes Beispiel dafür, daß preiswerte Computertechnik nicht immer nur aus Amerika oder Japan kommen muß. Bedenkt man unter welchen Schwierigkeiten dieser Drucker entstanden sein muß, denn in der DDR gehört schon ein simpler EPROM zu den knappen Gütern, kann man die Konstrukteure nur beglückwünschen. Mit einem Preis von 798 Mark ist er der derzeit preiswerteste Drucker mit NLQ-Fähigkeit, bei dem keinerlei Abstriche an der mechanischen Solidität gemacht wurden. Da der Präsident 6313 C nicht gerade als ausgesprochene Schönheit gelten kann, kommt es bei ihm vielmehr auf seine elektronischen und mechanischen Fähigkeiten an — und die stimmen rundum.

(E. Konther/aw)

Info: Horst Grubert, Import + Agentur, 8110 Riegsee, Tel. 08841/8011

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