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Epson und der Druckermarkt

Epson-Drucker sind aus der Geschichte der Personal- und Heimcomputer nicht mehr wegzudenken, doch wie schätzt man beim führenden Druckerhersteller den zukünftigen Markt ein? Wir sprachen mit der Geschäftsführung von Epson Deutschland.

Jahrelang haben Typenrad- und Typenkorbdrucker den EDV-Druckermarkt beherrscht. Seit Anfang der 80er Jahre, mit dem Boom der Personal- und Heimcomputer, gewinnen die Matrixdrucker zunehmend an Bedeutung. Aus dem modernen Büro, wie aber auch aus dem Heim des ambitionierten Privatanwenders, sind sie inzwischen nicht mehr wegzudenken. Wie kaum ein anderes Druckprinzip vereinigen sie gutes Schriftbild mit äußerster Flexibilität. Wie wird sich diese Entwicklung in Zukunft fortsetzen?

Dazu Peter Gross (Manager Marketing Support): »Der derzeitige Marktanteil bei Matrixdruckern von zirka 75 Prozent zeigt uns, daß einerseits eine Nachfrage nach sogenannten Multifunktions-Druckern besteht, die in der Lage sind, sowohl schön zu schreiben, schnell zu drucken und auch beliebige Grafiken zu Papier zu bringen. Andererseits kann man auch sagen, daß andere Drucktechnologien nicht mit der gleichen Konsequenz wie die Matrixdrucker forciert wurden. Mit gutem Grund, denn Matrixdrucker bieten auch in Zukunft die meisten Vorteile. Hier ist ein Standard entstanden, der gut zur immer größeren Verbreitung der Personal- und Heimcomputer paßt. Das heißt natürlich nicht, daß die Entwicklung damit abgeschlossen ist.« Es sind natürlich verschiedene Wege denkbar, wie man die Bedürfnisse der Kunden nach Flexibilität und Leistungsfähigkeit aber auch nach einem erschwinglichen Preis erfüllen kann. Dies wird in erster Linie eine Frage des verwendeten Druckprinzipes sein. Mit welchen Produkten wird Epson auf diese Anforderungen reagieren? Peter Groß dazu: »Selbstverständlich werden die Nadel-Matrixdrucker, schon allein aus Kostengründen, im Personal- und Heimcomputermarkt noch sehr lange die wichtigste Rolle spielen. Wie aus den von uns prognostizierten Trends (Bild 1) hervorgeht, bleiben Nadel-Matrixdrucker die absolut dominierende Drucktechnologie. Daneben werden sich aber die Tintenstrahldrucker einen wachsenden Anteil erkämpfen können. Wir haben deshalb auf der CeBIT' 86 erstmals unseren Tintenstrahldrucker IX-800 vorgestellt, der aufgrund seines ausgereiften Drucksystems und eines Preises von 2298 Mark einschließlich Steuer für den Durchbruch in den Massenmarkt sorgen wird. Solange Drucker noch in der EDV-Abteilung in einem abgeschlossenen Raum untergebracht waren, oder nur vereinzelt an einigen Arbeitsplätzen zu finden waren, fiel das Problem der Lautstärke kaum ins Gewicht. Durch ihre Bauart bedingt, können Nadel-Matrixdrucker nur bis zu einer gewissen Grenze in der Geräuschentwicklung gedämpft werden. Würde man sie noch mehr kapseln, wäre ein problemloses Arbeiten aber kaum noch möglich. Hier ist also eine Grenze, die nur durch eine neue Technologie überwunden werden kann. Betrachtet man die Vorschriften der Arbeitsstättenverordnung für Büroräume, so ist schätzungsweise nach dem dritten Matrixdrucker der Grenzwert erreicht. Genau das ist aber der Vorteil den Tintenstrahldrucker gegenüber Nadeldruckern haben — sie sind extrem leise. Dabei braucht der Anwender auf kaum einen der Vorteile der Nadeldrucker zu verzichten. Beim IX-800 ist das »Handling«, also die Bedienungsfreundlichkeit im täglichen Betrieb eher noch verbessert. So wurde zum Beispiel ein automatisches Reinigungssystem für den Druckkopf und eine besondere Drucktinte entwickelt, die sogar die Verwendung von Standardpapier problemlos ermöglicht«. Es scheint, als ob die Zukunftschancen der Tintenstrahldrucker, denen gegenüber den Matrixdruckern nur die Möglichkeit der Anfertigung von Durchschlägen fehlt, recht gut stehen. Doch neben der Entwickung der Technologie werden natürlich auch die Preise für diese neuen Druckergenerationen entscheidend für den Erfolg sein. Wie sieht beispielsweise Marktführer Epson die weitere Preisentwicklung? Peter Gross dazu: »Epson produziert ausschließlich in eigenen Fertigungsstätten. Deshalb konnten wir schon früh Drucker zu sehr interessanten Preisen anbieten, denn für uns zählt nur die eigene Kalkulation.

Farbiges Flächendiagramm »Marktentwicklung nach Drucktechnologien in Deutschland« 1985 bis 1989 mit Anteilen für Matrix-Nadel-, Typenrad-, Thermo-, Seiten- und Tintenstrahldrucker
Bild 1. In Zukunft sollen Tintenstrahldrucker an Bedeutung gewinnen

Da natürlich auch für uns, dem allgemeinen Trend folgend, die Herstellungskosten für einzelne Produkte im Laufe der Jahre fallen, geben wir diesen Vorteil in Form von gesteigerter Leistungsfähigkeit und Preissenkungen an unsere Kunden weiter. So hatte die FX-Serie beispielsweise jahrelang den gleichen Listenpreis, der jetzt sogar auf 1598 Mark für den FX-85 und 1998 Mark für den FX-105 gesenkt werden konnte. Dabei wurde die Leistungsfähigkeit dieser Drucker kontinuierlich gesteigert. Mit der Vorstellung der neuesten Modelle der FX-Serie, dem FX-800 für zirka 1500 Mark und dem FX-1000 zur Orgatechnik 1986 werden wir dieses kundenfreundliche Prinzip fortführen. Das sind Vorteile für den Kunden, die sich bezahlt machen, denn er weiß, daß ein Drucker den er heute kauft, auch übermorgen noch einen realen Wert hat. Diese Linie verfolgen wir auch mit unserem neuen IX-800, der für einen Tintenstrahldrucker dieser Leistungsklasse sensationell preisgünstig ist. Dabei ist der IX-800 nur der Anfang einer neuen Reihe von Tintenstrahldruckern, die bereits auf der Orgatechnik 1986 durch den SQ-2500 erweitert wird. Der SQ 2500 ist ein Tintenstrahldrucker mit 24 Düsen, einer Druckgeschwindigkeit von 540 Zeichen pro Sekunde und einem Preis von zirka 4500 Mark. Damit wird er auch den anspruchvollsten Aufgabenstellungen gerecht«. Nun sind Drucker dieser Preisklasse nur ein Teil des Druckermarktes, nämlich der der Personal Computer und des ambitionierten Heimanwenders. Für kleinere Computersysteme besteht aber seit dem riesigen Erfolg des C 64 ebenfalls ein enormer Bedarf an preisgünstigen, aber trotzdem flexiblen Druckern. Hat man bei Epson erkannt, daß sich auch in diesem Bereich interessante Verkaufszahlen erreichen lassen? Peter Gross: »Seit 1985 bieten wir für diese Systeme unsere Drucker LX-80 und LX-90 an. Beide Drucker sind auf die Bedürfnisse des Heimanwenders zugeschnitten, das heißt sie sind grafikfähig, werden nach dem ESC/P-Standard angesteuert und stehen den Personalcomputer-Druckern im wesentlichen nur durch eine etwas langsamere Geschwindigkeit nach. Beim LX-90 hat man sogar die Möglichkeit, Computer-spezifische Anpassungsmodule, zum Beispiel für den C 64 oder den C 128, zu verwenden und damit den Besonderheiten des jeweiligen Computers zu entsprechen. Wie wichtig uns dieser Bereich ist, sieht man daran, daß wir den LX-80 weiterentwickelt haben und als LX-86 auf der Orgatechnik 1986 vorstellen werden«. Nachdem nun seit Jahren schon die Nadelmatrixdrucker mit neun Drucknadeln dem Druckermarkt beherrschen, taucht natürlich die Frage auf, ob weitere Druckergenerationen über mehr Nadeln verfügen werden, um damit eine noch bessere Schriftqualität zu erreichen. Mittlerweile gibt es Drucker mit 18 oder 24 Nadeln. Wird sich dieser Trend fortsetzen? Peter Gross dazu: »Bereits mit dem LQ 1500 und auch mit dem LQ 800 haben wir gezeigt, daß diese Technik beherrschbar ist und vor allem in Fragen der Schriftqualität neue Maßstäbe setzt. Mit einem 24-Nadeldrucker ist es beispielsweise möglich eine NLQ-Schönschrift zu realisieren ohne doppelt über eine Zeile drucken zu müssen. Es ist sogar möglich, echte LQ- also Briefqualität wie bei einem Typenraddrucker zu erreichen. Dabei bleibt aber der Geschwindigkeitsvorteil und die Flexibilität gegenüber den Typenraddruckern voll erhalten. Solch ein Drucker ist also in der Lage einen Typenraddrucker vollständig zu ersetzen und gleichzeitig noch eine Vielfalt von Sonderfunktionen, wie zum Beispiel die Grafik, zusätzlich zu ermöglichen. Auch die Möglichkeit des Farbdruckes, der nach unserer Meinung in Zukunft immer wichtiger werden wird, lassen sich mit einem Matrixdrucker erst richtig ausschöpfen. Dabei will ich übrigens die Tintenstrahldrucker nicht ausklammern, auch sie sind technisch durchaus in der Lage, farbige Texte und Grafiken in exzellenter Qualität auf das Papier zu bringen. Im Bereich der 24-Nadeldrucker werden wir auf der Orgatechnik 1986 den neuen LQ-2500 zum Preis von 3698 Mark vorstellen, der mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu einem sehr interessanten Preis aufwarten kann«. Zum Abschluß unseres Interviews hatten wir Gelegenheit mit Herrn Hamamoto, dem Geschäftsführer von Epson Deutschland, zu sprechen. Wir fragten ihn, welche Firmenpolitik Epson in Zukunft verfolgen will. Herr Hamamoto: »Die Erfolge und die Position, die Epson sich auf dem Weltmarkt erkämpft hat, ist sicherlich nicht nur auf einen Grund zurückzuführen.

Unser Ziel ist es, den Kunden durch eine reelle Geschäfts- und Modellpolitik von unseren Produkten zu überzeugen. Wir lehnen es ab, durch ständige Preis- und Modellveränderungen unsere Kunden zu verwirren. Das heißt natürlich nicht, daß unsere Drucker nicht weiterentwickelt werden — ganz im Gegenteil, neue Technologien sind immer schon ein typisches Epson-Thema gewesen. Die Stärke unserer Produkte ist Ihre Zuverlässigkeit und Anwenderfreundlichkeit. So wie wir bei der Schaffung des Drucker-Industriestandards ESC/P bewiesen haben, daß man zielstrebig eine Linie verfolgen kann, haben wir auch in unserem Verhältnis zum Kunden langfristige Treue bewiesen. Genau das ist es, was uns auch in Zukunft eine führende Position sichern soll. Daß wir dabei eine Vielzahl neuer Ideen haben, wird letztendlich sicherlich nicht der Nachteil des Kunden sein«.

Drucker werden also langfristig leistungsfähiger, leiser und wahrscheinlich nicht teurer als die derzeitigen Modelle. Stellt sich die Frage, ob man mit dem Kauf eines Druckers noch warten sollte oder sich besser gleich für ein Modell entscheidet? Nie vorher war es so leicht eine Antwort zu geben, denn die Gefahr, daß Drucker ihren Wert verlieren, war selten so gering wie jetzt. Gleichzeitig kann man aber eine Reihe von Modellen erhalten, die jedem Anspruch gerecht werden. Wer allerdings auf einen Laserdrucker für 800 Mark warten möchte, wird in diesem Jahrtausend nicht mehr zu seinem Drucker kommen.

(aw)
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