Leichter geht's mit Textverarbeitung
Eines der besten Argumente, die man für den Einsatz eines Heimcomputers vorbringen kann, heißt »Textverarbeitung«. Der Nutzen, der mit dieser sinnvollen Anwendung verbunden ist, macht selbst überzeugte Gegner der Computertechnik schnell sprachlos.

Der wichtige Wortbestandteil »Verarbeitung« in dem Begriff Textverarbeitung besagt, daß der Computer bei dieser Anwendung eingesetzt wird, (Roh-)Texte bis zum Endprodukt weiterzuverarbeiten — gewissermaßen zu vervollkommnen, zu veredeln. Wann das Produkt (der Text) die endgültige Form besitzt, entscheiden nur Sie. Dieser Weg der Textverarbeitung, vom Anfangsprodukt bis zum optimalen Endprodukt, wird im folgenden näher beschrieben. Hierbei wird auch der Vorteil gegenüber der konventionellen Methode des Schreibens deutlich.
Nehmen wir an, Sie wollen einen Brief schreiben und verwenden hierfür Ihre Schreibmaschine. Mitten im Text unterläuft Ihnen jedoch ein Tippfehler. Ohne eine eingebaute Korrekturtaste sind Sie nun aber gezwungen, den Fehler zunächst mit einer Korrekturflüssigkeit oder ähnlichem zu beseitigen und hinterher zu überschreiben, was unter Umständen nicht besonders schön aussieht. Mit einem Textverarbeitungsprogramm sind derartige Änderungen jederzeit problemlos und im Handumdrehen möglich, ohne daß man eine Ausbesserung auf dem fertigen Ausdruck erkennen könnte. Das fehlerhafte Wort wird hier lediglich überschrieben.
Ebenso einfach, wie das Überschreiben, ist auch das Einfügen von Buchstaben, Wörtern, Sätzen, Absätzen oder auch ganzen Seiten innerhalb des Textes. Auf Tastendruck kann man den meisten Textverarbeitungsprogrammen mitteilen, daß alles, was nachfolgend geschrieben wird, vor die aktuelle Position im Text eingefügt werden soll, bis man diesen speziellen Schreibmodus wieder ausschaltet.
Korrektur auf Knopfdruck
Eine weitere nützliche Eigenschaft der Textverarbeitung mit dem Computer ist, daß Sie ganze Textpassagen markieren und hinterher — wiederum einfach mit einem Tastendruck — an jede beliebige Stelle im Text verschieben oder ganz löschen können. Wenn Sie beim Durchlesen Ihres Textes beispielsweise feststellen, daß eine bestimmte Passage inhaltlich besser an eine andere Stelle des Textes paßt, können Sie ihn leicht dorthin transferieren. Bei der konventionellen Methode mit der Schreibmaschine müßten Sie den Brief noch einmal von vorn schreiben — bis zum nächsten Fehler oder bis zur nächsten gewünschten Änderung.
Kreativität ungebremst
Bereits an dieser Stelle wird der Hauptunterschied zwischen dem Schreiben mit der Schreibmaschine und dem Texten mit einem Computer deutlich: Bei der herkömmlichen Methode schreiben Sie bereits mit dem ersten Wort, ja mit dem ersten Buchstaben am Endprodukt. Das setzt jedoch voraus, daß der ganze Text, zumindest aber der nächste Satz in seiner endgültigen Form vorher in Ihrem Geist feststehen muß. Nachträglich verbesserte Formulierungen, Satzumstellungen, Einschübe und sonstige Änderungen würden jedoch in jedem Fall einen Neubeginn bedeuten und bleiben deshalb vielleicht aus. Bei der Textverarbeitung mit dem Computer gibt es in diesem Sinne keine endgültige, nicht doch noch änderbare Form des Textes. Er befindet sich solange veränderbar im Speicher des Computers, bis Sie den Befehl geben, ihn zu vergessen, das heißt, ihn zu löschen. Selbstverständlich können Sie Ihn auch im »Langzeitgedächtnis« eines Computers, auf der Diskette, dauerhaft speichern. Hieraus ergibt sich eine völlig neue Art des Schreibens. Mit der Schreibmaschine sind Sie spätestens an jedem Zeilenende gezwungen, zu überlegen, ob das nächste Wort noch in die aktuelle Zeile paßt, ob Sie es trennen wollen/müssen oder besser an den Anfang der nächsten Zeile setzen. Dadurch wird der Schreib- und gegebenenfalls auch der Gedankenfluß gebremst. Bei der Computer-gestützen Textverarbeitung dagegen können Sie schreiben, ohne zunächst auf die äußere Form des Textes zu achten. Paßt ein Wort nicht mehr in die gerade bearbeitete Zeile, wird Sie vom Computer auf Wunsch — während Sie weiterschreiben — automatisch an den Anfang der folgenden Zeile gebracht. Diesen Vorgang nennt man auch »word wrapping«. Einige Textverarbeitungsprogramme bieten auch die Möglichkeit, Trennvorschläge zu verarbeiten. Das bedeutet, bei längeren Wörtern können Sie zwischen den Silben bestimmte Sonderzeichen einfügen, die dem Computer anzeigen, daß er das Wort bei Bedarf an diesen Stellen trennen kann. Diese Zeichen sind zwar auf dem Bildschirm sichtbar (Bild 1), werden später aber nicht mit ausgedruckt.

Mit der Computer-unterstützten Textverarbeitung sind jedoch noch weitere Vorteile verbunden. Hierzu zählt in jedem Fall auch die Serienbrief-Option (Mail Merge): Jeder kommt beispielsweise einmal in die Situation, Bewerbungen schreiben zu müssen. In der Regel richtet man diese dann gleich an mehrere in Frage kommende Firmen, wobei der Inhalt des Bewerbungstextes relativ gleichbleibend ist. Nichts ist also naheliegender, als nur ein optimales Bewerbungsanschreiben zu entwerfen und lediglich die Anschriften und Anreden von Brief zu Brief zu ändern. Bei leistungsfähigen Textverarbeitungsprogrammen — in unserem Beispiel VIZAWRITE 64 — wird diese Methode auf einfache Weise unterstützt. Die Stelle im Text, an der variabler Text stehen soll (Anschriften, Anreden), wird mit einem bestimmten Zeichen gekennzeichnet (Bild 2). An anderer Stelle werden die Anschriften und Anreden aller Firmen und Ansprechpartner abgelegt (Bild 3). Erst beim Ausdrucken der Briefe werden diese »Textbausteine« automatisch in den Text eingesetzt (Bild 4). Wenn Sie zum Ausdrucken einen Typenraddrucker oder eine elektronische Schreibmaschine verwenden ist das Resultat eine Reihe fehlerfreier Briefe, die sich in keinem Punkt von »handgeschriebenen« unterscheiden und genauso individuell und persönlich anmuten. Sie ersparen sich also sehr viel Arbeit, ohne daß der Empfänger dies merkt.



Nicht mehr wegzudenken
Wenn umfangreiche Texte geschrieben werden sollen, zum Beispiel längere Aufsätze, Examens-, Diplom-, Doktorarbeiten, Manuskripte für Bücher oder ähnliches, ist Textverarbeitung mit dem Computer fast unverzichtbar. Oft muß man Textpassagen suchen, die es zu überarbeiten gilt. Der Computer hilft Ihnen auch hier schnell, bestimmte Textstellen zu finden, um sie dann bearbeiten zu können. Sehr einfach ist auch das automatische Ersetzen von Textteilen, also Buchstaben oder Wörter. Angenommen Sie hätten in Ihrem Text mehrmals »Commodore 64« geschrieben und wollten diesen Ausdruck ändern in »C 64«, so brauchen Sie lediglich die Funktion »Ersetzen« anzuwählen und dem Programm mitzuteilen, welches Wort oder welche Zeichen(kette) Sie wodurch ersetzen wollen. Für diesen Vorgang können Sie in der Regel bestimmen, ob der Computer jeden gefundenen Textbaustein automatisch ersetzen soll oder jeweils nur nach Ihrer Bestätigung.
Ungemein komfortabel ist auch das Schreiben von Tabellen mit einem Textverarbeitungsprogramm. Wenn Sie schon einmal Dezimalpunkt-orientierte Zahlentabellen mit einer Schreibmaschine schreiben mußten, werden Sie wissen, wie kompliziert dieses Unternehmen auf diese manuelle Weise ist. Gute Textverarbeitungsprogramme bieten für diesen Zweck spezielle Dezimalpunkt-Tabulatoren, die dafür sorgen, daß sämtliche Zahlen einer Spalte richtig untereinander gesetzt werden, so daß Sie lediglich die einzelnen Zahlenwerte einzugeben brauchen. Hat die Tabelle am Ende doch nicht die gewünschte Form, so brauchen Sie nicht jede Zeile und jede Spalte erneut schreiben. Es genügt, die falsch gesetzten Tabulatoren in der sogenannten »Formatzeile« zu ändern (Bild 5). Die gesamte Tabelle wird hierauf automatisch in der neuen Form gesetzt.

Für Textverarbeitungsprogramme professioneller Personal Computer werden häufig Programme zur Überprüfung der Rechtschreibung angeboten. Diese prüfen nach Fertigstellung des Textes bei jedem geschriebenen Wort in einem internen Lexikon, ob es darin enthalten ist. Wenn nicht, fragt der Computer, ob es sich um einen Schreibfehler handelt oder um ein Wort, das er noch nicht kennt. In diesem Fall kann es in das Lexikon aufgenommen werden. Für die englische Version von Vizawrite 64 ist ein derartiger »elektronischer Duden« (Vizaspell) mit einem Grundwortschatz von 30000 englischen Vokabeln für 128Mark erhältlich. Bei Versionen für den C 128 ist ein elektronisches Wörterbuch oftmals fester Bestandteil des Lieferumfangs. So auch bei Protext 128, das bei einem Preis von 89 Mark eine deutsche Rechtschreibüberprüfung ermöglicht.
Ergebnisse, die sich sehen lassen
Nachdem Sie den Text erstellt und eventuell auf die richtige Rechtschreibung überprüft haben, endet der Prozeß der Textverarbeitung jedoch noch nicht. Nun können Sie ihn, wenn Sie wollen, nach rein optisch-ästhetischen Gesichtspunkten umgestalten, das heißt formatieren, auf Kassette oder Diskette speichern oder — und das ist natürlich das Wichtigste — auf einem Drucker ausgeben. Und hier besitzen Sie bei einem guten Textverarbeitungsprogramm ein Instrument, Ihren Text — quasi auf Tastendruck — ausgesprochen professionell aussehen zu lassen. Gemeint ist der sogenannte »Blocksatz«, bei dem der Text links- und rechtsbündig ausgedruckt wird. Interessant ist, daß hierzu kein spezieller Drucker notwendig ist, sondern alle gängigen Matrixdrucker und viele elektronische Schreibmaschinen und Typenraddrucker geignet sind — vorausgesetzt, sie sind an den Computer anschließbar und werden vom Textverarbeitungsprogramm angesprochen. Blocksatz kann man auf herkömmliche Weise nur mit wenigen Schreibmaschinentypen neueren Datums »von Hand« erzeugen. Der Weg mit einem Textverarbeitungsprogramm ist aber nicht nur in diesem Punkt komfortabler und weniger arbeitsintensiv.
Das optimale System
Textverarbeitung ist auch mit dem C 64 eine sehr lohnende Anwendung. Doch was benötigt man für ein optimales System?
Neben dem C 64 ist vor allem ein Diskettenlaufwerk (Floppy 1541) notwendig. Die meisten Textverarbeitungsprogramme werden ausschließlich auf Diskette vertrieben und sind auch nur für diesen Massenspeicher ausgelegt. Der Einsatz einer Datasette ist hierbei auch wenig sinnvoll. Als nächstes brauchen Sie natürlich einen Drucker. Hierbei ist es zunächst einmal unerheblich, ob Sie sich für eine elektronische Schreibmaschine mit Interface, einen Typenrad- oder einen Matrixdrucker entscheiden. Matrixdrucker bieten jedoch den Vorteil, auch Grafiken verarbeiten zu können. Einige Textverarbeitungsprogramme nutzen diese Fähigkeit beim Drucken aus. Textomat Plus erlaubt es sogar, Computergrafiken in eigene Texte einzubinden und auszudrucken. Auch Vizawrite 64 ist hierzu mit einem Epson oder einem baugleichen Matrixdrucker — durch ein kleines Zusatzprogramm zum Abtippen (siehe Listing in Tips und Tricks zu Vizawrite in dieser Ausgabe) — in der Lage. Typenraddrucker und elektronische Typenrad-Schreibmaschinen besitzen jedoch verglichen mit den Matrixdruckern ein besseres Schriftbild, wenn auch einige Matrixdrucker in diesem Punkt fast Briefqualität (near letter quality) erreichen. Dafür sind Typenraddrucker jedoch nicht grafikfähig. Letztendlich hängt die Entscheidung für den für Sie optimalen Drucker von der überwiegenden Nutzung ab.
Entscheidungshilfe
Vergewissern Sie sich aber, daß das Textverarbeitungsprogramm, mit dem Sie gern arbeiten möchten, auch Ihren Drucker unterstützt. In der 64'er Ausgabe 9/86 finden Sie eine Marktübersicht und eine Kaufempfehlung für Drucker.
Das Wichtigste für die Textverarbeitung ist natürlich die Qualität des Programms. In der vorliegenden Ausgabe finden Sie deshalb auch eine aktuelle Marktübersicht der wichtigsten Textverarbeitungsprogramme. Wenn Sie mehr über das eine oder andere Programm wissen möchten, finden Sie weitere Informationen in den Testberichten der 64er. Tabelle 1 gibt Ihnen Auskunft, in welchen Ausgaben wir bisher entsprechende Tests veröffentlicht haben. Ein sehr leistungsfähiges Textverarbeitungsprogramm zum Abtippen haben wir samt Anleitung in Ausgabe 6/86 veröffentlicht. Wenn Sie wollen, können Sie das Programm auch nachträglich mit der Programmservice-Diskette zum Preis von 29,90 Mark beim Markt & Technik Verlag anfordern.
(nj)| Wordpro 3 Plus | 06/84 |
| SM-Text 64 | 06/84 |
| Blitztext | 06/84 |
| Textomat | 09/84 |
| Vizawrite 64 | 10/84 |
| Homeword | 03/85 |
| Totl-Text | 03/85 |
| Protext | 05/85 |
| Textomat Plus contra Vizawrite 64 | 06/85 |
| StarTexter | 09/85 |
| Paperclip | 11/85 |