C 64
Software

Geos

Nach langer Wartezeit konnten wir endlich die fertige Version von Geos 1.2 in Empfang nehmen. Diese Version soll inzwischen jedem verkauften C 646 beiliegen. Was hat sich alles geändert? Hier ist der Bericht aus unserem Softwarelabor.

Die Benutzeroberfläche für den C 64 ist jetzt noch freundlicher geworden. So läßt sich unser Eindruck von der neuen Geos-Version 1.2 zusammenfassen. Hervorstechendes Merkmal ist das bunte GeoPaint. Alle 16 Farben des C 64 können in einem Dokument verwendet werden. Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß in einem 8 x 8 Pixel großen Kästchen nur zwei verschiedene Farben benutzt werden dürfen. Wer einen Farbdrucker besitzt, kann die Zeichnungen dann auch bunt drucken. Ein Druck von verschiedenen Graustufen auf Schwarzweiß-Druckern ist nicht vorgesehen. Einer der Mängel von GeoPaint 1.0 wurde beseitigt: Die Undo-Funktion arbeitet auch nach Fill korrekt.

Bildschirmfoto von GeoPaint mit Menüleiste, Werkzeugkasten und farbigen, gemusterten Flächen
Bild 1. GeoPaint kann in der neuen Version auch für farbige Grafiken verwendet werden, eine sicherlich nützliche Funktion.

Malen in Farbe

Am Betriebssystem hat sich nicht viel getan. Nur der »preferences manager« hat sein Äußeres stark geändert, die Funktionen sind aber identisch geblieben. Ansonsten ist Geos in einigen Funktionen schneller geworden. Diskettenzugriffe laufen immer noch in gewohnter Hypra-Load-Geschwindigkeit ab. Der Disk-Turbo verträgt sich jetzt aber mit wesentlich mehr Druckern und Interfaces. Außerdem flackert die LED an der 1541 jetzt nicht mehr wie wild bei Schreib- und Lesevorgängen.

Für den Benutzer unsichtbar sind einige Veränderungen an der Speicherorganisation vorgenommen worden. Der Speicher wird bei Geos 1.2 dynamisch verwaltet. Das hat zur Folge, daß beispielsweise mehrere Zeichensätze im Speicher gehalten werden können und somit wesentlich weniger Diskettenzugriffe bei GeoWrite notwendig sind.

Einige kleinere Bugs, die man noch in Geos 1.0 finden konnte, wurden in 1.2 beseitigt. Wir konnten bei der knapp zweiwöchigen Arbeit mit der neuen Version keinerlei Fehler mehr entdecken.

Alles in allem darf man die Version 1.2 wohl als endgültig bezeichnen. Damit ist das neue »offizielle« Betriebssystem für den C 64 endgültig den Kinderschuhen entwachsen und zum vollwertigen Programmpaket geworden, das jeder Käufer des C 64C nicht mehr missen möchte.

Tips und Tricks vom Programmierteam:

Unter dieser Überschrift werden Sie aktuelle Tips aus den Labors von Berkeley Softworks finden. Die Entwickler von Geos arbeiten täglich mit dem System, nicht nur um Bugs zu finden und weitere Verbesserungen vorzunehmen, sondern auch um ihre Korrespondenz zu erledigen und Zeichnungen für das Programmier-Handbuch zu Geos anzufertigen. Außerdem hat das Team eine Hotline eingerichtet, bei der amerikanische Kunden anrufen und ihre Probleme mitteilen können. Aus all den Erfahrungen, die dort tagtäglich gemacht werden, folgt natürlich eine ganze Kiste von Tips und Tricks zu Geos, die wir hier gerne veröffentlichen werden. Die heutigen Tips betreffen GeoWrite und GeoPaint. Lassen wir also die Programmierer von Berkeley Softworks sprechen:

— Eine Menge Anrufer hat sich bei uns beschwert, daß der Druckertreiber für ihren Drucker jedesmal nach dem Booten über »set printer« nachgeladen werden muß. Der richtige Druckertreiber läßt sich jedoch direkt mitbooten! Dazu müssen allerdings einige kleine Manipulationen an der Geos-Disk vorgenommen werden. Legen Sie deshalb vorher eine Sicherheitskopie an, damit nichts schiefgehen kann.

Der erste Druckertreiber, der sich auf der Boot-Diskette befindet, wird automatisch mitgebootet. Auf einer nicht modifizierten Geos 1.2-Diskette sollte das der Treiber »MPS-801« sein (Seite 4 im Directory). Um an diese Stelle beispielsweise den FX-80-Treiber zu kopieren, müssen Sie den MPS-801- und den FX-80-Treiber am unteren Rand des Desktops ablegen. Dann nehmen Sie den FX-80-Treiber wieder auf und legen ihn an die erste Position der Seite 4. Der MPS-801-Treiber kommt dahin, wo früher der FX-80-Treiber war. Diese Methode funktioniert auch, wenn Sie einen Treiber der zweiten Seite benötigen. Sie müssen dann nur die Diskette umdrehen, wenn Geos es verlangt. — GeoWrite ist mit Sicherheit nicht das schnellste Textverarbeitungsprogramm, doch für die meisten Aufgaben ist es schnell genug. Mit zwei kleinen Tricks läßt sich ein Text sehr flott eintippen, ohne daß Wartezeiten entstehen:

Ziehen Sie den rechten Rand des Dokuments nach links, so daß der Bildschirm nicht mehr zwischen linker und rechter Hälfte scrollen muß. Außerdem sollten Sie nur einen Zeichensatz in einer Größe verwenden. Erst wenn Sie den Text fehlerfrei eingegeben haben, sollten Sie den rechten Rand wieder nach ganz rechts ziehen und, wenn gewünscht, nachträglich Zeichensätze und Schriftgrößen ändern. — Mit diesen beiden Tips soll es für diesen Monat reichen. Nächstes Mal gibt es heiße Tips aus dem sonnigen Kalifornien für GeoPaint.

Mehr Zeichensätze für Geos

Wem die sechs mitgelieferten Zeichensätze schon zu langweilig sind, kann auf Abwechslung hoffen. »Font Pack l« bietet ganze zwanzig neue Zeichensätze. Besitzer von Geos 1.0 erhalten, sofern sie ihre Registraturkarte eingesandt haben, Font Pack 1 umsonst mit dem Update auf 1.2. Ansonsten müssen sie den »Font Pack l« kaufen. In Amerika wird er seit Anfang September für etwa 30 Dollar verkauft. In Bild 2 sehen Sie eine kleine Auswahl der neuen Zeichensätze von Font Pack 1.

Übersicht mit zwanzig Schriftmustern verschiedener Zeichensätze
Bild 2. Fontpack 1.0: 20 neue Zeichensätze

Fragen und Antworten zu Geos und C 64C:

Mit den Fragen und Antworten wollen wir alle Gebiete rund um Geos abdecken, egal ob Hard- oder Software, praktische Anwendung oder Programmierung.

Wenn Sie die eine oder andere Frage, oder auch einen guten Tip oder Trick für Geos haben, dann schreiben Sie uns doch!

Auf der Packung meines neu erworbenen C 64C findet sich der Hinweis, daß ein 8510-Prozessor eingebaut sei. Was kann dieser mehr im Vergleich zum 6510 des alten C 64? Kann es zu Kompatibilitätsprobiemen kommen?

Nicht nur uns passieren Druckfehler, auch Commodore bleibt davon nicht verschont. Der C 64C hat weiterhin den 6510 als Prozessor, zumindest war das bei allen Geräten so, die wir bisher gesehen haben. Deswegen dürfte es auch zu keinerlei Kompatibilitätsproblemen kommen. Der C 64C unterscheidet sich vom alten C 64 nur durch das formschönere Gehäuse und die bessere interne Abschirmung. Der Platinenaufbau und die verwendeten Bausteine sind praktisch identisch.

Wie kann ich die Platine des alten C 64 in das Gehäuse des C 64C einbauen? Wo kann ich das neue Gehäuse erhalten?

Da die Platinen des alten und neuen C 64 identisch sind, besteht keine Notwendigkeit, einen Umbau vorzunehmen. Das Gehäuse ist, soweit uns bekannt, nicht einzeln erhältlich. Wenn man auf das neue Gehäuse nicht verzichten will, sollte man sich lieber einen C 64C kaufen und den alten verkaufen. Dies ist wesentlich einfacher als ein Platinenwechsel.

Wann wird der C 64C mit integriertem Geos, ohne Laden von Diskette, erhältlich sein?

Soweit uns bekannt ist, läßt sich das jetzige Geos nicht ohne weiteres speicherresident unterbringen. Dazu müßte der C 64C intern erweitert werden, was Kompatibilitätsprobleme mit sich bringen würde. Außerdem müßte Geos vorher noch umprogrammiert werden, da Speicherverwaltung und Grafiktreiber geändert werden müßten.

Da das Booten von Diskette in weniger als einer Minute vonstatten geht, sind wir der Meinung, daß ein Geos im ROM nicht dringend notwendig ist. Ein integriertes Geos würde schließlich auch die Herstellungskosten und damit den Kaufpreis des C 64C erhöhen. Kurz gesagt, sollte man nicht damit rechnen, einen C 64C mit Geos im ROM demnächst zu erhalten. Das heißt allerdings auch nicht, daß dies völlig unmöglich sei. Die weitere Entwicklung wird sich allerdings wohl erst entscheiden, wenn die RAM-Erweiterung für den C 64, C 64C, C 128 und C 128D vorliegt.

Wird es Geos auch für den C 128 geben?

Ja, Berkeley Softworks arbeitet bereits jetzt an einer Version für den C 128. Diese wird allerdings noch einige Entwicklungszeit in Anspruch nehmen. Jetzt läßt sich allerdings schon sagen, daß eine 128-Version nicht den 80-Zeichen-Modus benutzen wird, da dieser für die grafische Darstellung des Desktop viel zu langsam ist. Man wird also weiterhin auf die 40-Zeichen-Darstellung wie beim C 64 festgelegt sein. Die C 128-Version wird allerdings den kompletten RAM-Speicher nutzen können.

Im übrigen ist geplant, die C 128-Version voll aufwärtskompatibel zu Geos 1.2 zu machen. Man soll dann nicht nur die Datenfiles des kleinen Geos, sondern sogar die alten Programme (GeoPaint, GeoWrite) einwandfrei benutzen können. Näheres über Geos für den C 128 finden Sie in Kürze in dieser Rubrik.

Sie schrieben in Ihrem Geos-Testbericht, daß sich Geos nicht mit einigen Druckern und Interfaces vertragen würde. Was kann man dagegen tun?

Viele dieser Probleme haben sich mit Erscheinen der Geos-Version 1.2 in Luft aufgelöst. Viele handelsübliche Matrixdrucker können jetzt einwandfrei angesprochen werden. Auch die Zusammenarbeit mit vielen Interfaces wurde geklärt, indem die DiskTurbo-Routinen überarbeitet wurden. Trotzdemkannesmiteinigen Konstellationen noch Probleme geben. So arbeiten beispielsweise ältere Versionen des Wiesemann-Interface nicht mit Geos zusammen. Die Firma Wiesemann hat für diese Fälle einen Update-Service eingerichtet. Bitte wenden Sie sich direkt an den Hersteller.

Wer einen Epson-Drucker oder Kompatiblen mit einem Hardware-Interface (Görlitz, Data Becker, Wiesemann und ähnliche) sein eigen nennt, muß vor dem Booten von Geos das Interface unbedingt auf den Linearkanal einstellen und fixieren. Ansonsten wird der Ausdruck von Geos-Daten nicht korrekt erfolgen. Wie man den Linearkanal einstellen und fixieren kann, finden Sie in Ihrem Handbuch zum Interface oder Drucker beschrieben. Der Linearkanal wird manchmal auch als Kanal ohne Codewandlung, Epson-Kanal oder Epson-Modus bezeichnet.

In der Redaktion verwenden wir auch User-Port-Interfaces ohne Probleme. Wenn die Betriebssoftware ins Kernel intergriert wurde, wie es bei fast allen Floppy-Speedern und geänderten Betriebssystemen üblich ist, kann man problemlos über den User-Port den Drucker ansteuern.

Ich habe Schwierigkeiten mit dem Kopieren von Files und Disketten und dem Diskettenzugriff' allgemein. Geos sagt mir nie, daß ich Disketten wechseln müßte. Was mache ich falsch?

Geos kann Disketten nur anhand ihres Namens unterscheiden. Zwei unterschiedliche Disketten sollten deswegen auch unterschiedliche Namen erhalten.

Wenn Sie eine Diskette aus dem Laufwerk nehmen und eine andere, die aber den selben Namen hat, einlegen, kann Geos den Diskettenwechsel nicht erkennen und somit viel Unheil anrichten. Wenn bei einem Kopiervorgang die Quell- und die Zieldiskette den selben Namen haben, denkt Geos, daß die Zieldiskette eingelegt ist, obwohl noch die Quelldiskette im Laufwerk liegt. Daraus folgt, daß Geos dann die Diskette oder die Files auf sich selbst kopiert, nicht aber auf die Zieldiskette.

Gewöhnen Sie sich schon beim Formatieren einer Diskette an, ihr einen einmaligen Namen zu geben. Sie können den Namen einer Diskette aber auch nachträglich im Menü »Disk« unter dem Befehl »Name« ändern.

Wann wird das Programmierhandbuch zu Geos erscheinen?

Zu dem Zeitpunkt, als diese Rubrik geschrieben wurde (Ende Juli), war eine Rohfassung des »Geos Programmers Reference Guide« fertiggestellt. Diese Rohfassung wurde dann allerdings täglich erweitert, verbessert und korrigiert. Der Zeitplan sah vor, im September in Amerika die englische Version zu veröffentlichen. Dieser Termin kann sich jedoch noch verzögern. Noch nicht geklärt ist allerdings der Erscheinungstermin der deutschen Übersetzung.

Wird es spezielle Programmiersprachen für Geos geben?

Im Augenblick denkt man bei Berkeley Softworks über ein neues Basic, das die Geos-Funktionen unterstüzt, nach. Auch andere Programmiersprachen sind im Gespräch. Hier wird man allerdings auch auf die Resonanz von anderen Softwareproduzenten warten müssen. Sollten sich davon einige zur Entwicklung von Geos-Programmen bereit erklären, darf man sicherlich mit einigen auf Geos zugeschnittenen Programmiersprachen rechnen.

(bs)

Geos-Vertrieb geklärt

Kurz nach Redaktionsschluß gab Berkley Softworks bekannt, daß der Vertrieb in Deutschland kurz vor der Klärung stünde. Näheres dazu in der nächsten Ausgabe.

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