Die Verwaltungs-Profis
Für die meisten Computer-Fans sind dies Zauberwörter: Datenbanken, schneller Zugriff auf große Informationsmengen, umfangreiches Wissen… Wir haben fünf typische Dateiverwaltungen für den C 128 und den C 64 einmal gegenübergestellt.
Bei der Frage, zu welchem Zweck sich ein Heimcomputer denn am sinnvollsten einsetzen ließe, fällt einem spontan ein: »Zur Verwaltung großer Datenmengen«.
Aber: Soll man seinen Computer jetzt mit Fertigkost (sprich: gekaufte Software) oder mit Hausgemachtem (selbstgeschriebene Programme) füttern? Und wenn die Wahl auf Fertigkost fällt, welches Programm ist das Optimale für meinen Bedarf?
Bei der riesigen Auswahl an Dateiverwaltungen, die zur Zeit für den C 64 und den C 128 angeboten werden, ist es zugegebenermaßen unmöglich, jedes Programm selber zu testen. Auch wir wollen uns bei dieser Übersicht auf die fünf bekanntesten unter ihnen beschränken.
Alle Programme haben eins gemeinsam: Sie lassen sich für fast jeden Bedarf einsetzen, da die Eingabemaske (also das Dateneingabefeld) frei definierbar ist. Sie können also mit ein und demselben Programm sowohl Ihre Schallplattensammlung, die Kochrezepte oder auch die Kundendatei für den Kleinbetrieb verwalten.
Wir haben ausgewählt:
- dBase II für den C 128 im CP/M-Modus. Preis: 199 Mark.
- Superbase für den C 64. Preis: 198 Mark.
- Datamat für den C 64. Preis: 99 Mark.
- StarDatei für den C 64. Preis: 64 Mark.
- Database für den C 64. Preis: 48,90 Mark.
Zuerst einmal soll der Unterschied zwischen einer »Datenbank« und einer »normalen« Dateiverwaltung geklärt werden. Oft wird in der Werbung ein Programm als Datenbank bezeichnet, nur weil dies professioneller klingt als »Dateiverwaltung«.
Datenbank oder Dateiverwaltung?
Eine Dateiverwaltung ist ein mehr oder weniger umfangreiches Programm, mit dem Sie zum Beispiel ein Telefonverzeichnis, eine Schallplattensammlung oder auch eine Kundendatei verwalten können. Es lassen sich einzelne Datensätze (eine einzelne Eintragung) suchen und ausdrucken. Oft ist Ihnen fest vorgegeben, wieviele Eintragungen Sie pro zu verwaltendem Element machen dürfen. Man spricht von einer fest vorgegebenen »Eingabemaske«.
Das herausragendste Merkmal einer Datenbank ist, daß sie über eine eigene »Programmiersprache« verfügt. Das heißt, Sie können verschiedene Bedienungsabläufe fest programmieren.
Zum Beispiel läßt sich mit PRINT-ähnlichen Anweisungen das Bildschirmlayout erstellen (also wie der Bildschirm bei der Dateneingabe aussehen soll). Es lassen sich mehrere Dateien verknüpfen. Ein Beispiel: »Suche in der Adressendatei alle Meier, die in München wohnen. Haben sie in den letzten zwei Monaten eine Bestellung gemacht? Wenn ja, dann schicke ihnen unseren neuesten Prospekt«. Der Zugriff auf bestimmte Informationen läßt sich vom Anwender abhängig machen (nur der Chef darf die persönlichen Daten seiner Kunden abrufen, nicht seine Sekretärinnen).
Das wichtigste Kriterium für die Kaufentscheidung ist das der anfallenden Datenmenge. Während für den Einsatz zu Hause meistens »Stardatei«, »Database« und »Datamat« voll ausreichen, sollte man für professionelle Anwendungen lieber etwas mehr Geld investieren und sich »dBase II« oder »Superbase« zulegen. Denn mit diesen beiden Programmen kann man lediglich durch den eigenen Diskettenvorrat begrenzt große Datenmengen verwalten. Sie verdienen auch als einzige C 64/ C 128-Programme auf dem Markt den Titel »Datenbank«.
Beginnen wir unseren kleinen Vergleich also mit diesen beiden Programmen. »Superbase« und »dBase II« bieten zu einem relativ günstigen Preis fast uneingeschränkte Einsatzmöglichkeiten. In München fanden wir eine kleine Videothek, die mit »Superbase« ihren gesamten Videobestand verwaltet.
Die Alleskönner
Ein ganz dickes Lob verdient das ausgezeichnete Handbuch zu Superbase. Bereits nach kurzer Einarbeitungszeit ist man in der Lage, das Programm für seinen persönlichen Zweck einzurichten. Die Diskette ist mit einem umfangreichen Kopierschutz ausgestattet. Superbase verwendet eigene Laderoutinen, die jeglichen Floppy-Beschleuniger abschalten. Die Zugriffszeiten sind also mit Original-C 64 fast dieselben wie zum Beispiel mit Speeddos. Sie halten sich aber trotzdem in erträglichen Grenzen. Inzwischen ist Superbase auch für den C 128-Modus erhältlich. Es ist etwas schneller als die C 64-Version.
Bei »dBase II« hingegen ist es fast schon untertrieben, die Verarbeitungsgeschwindigkeit als »quälend langsam« zu bezeichnen. Es ist schon von anderen Programmen her eine bekannte Tatsache, daß die Diskettenzugriffe des C 128 unter CP/M die Geduld des Anwenders stark strapazieren. Der Grund ist nicht bei den dBase-Programmierern, sondern bei den Commodore-Entwicklern zu suchen. Das gesamte C 128-CP/M-System von den Diskettenroutinen bis hin zur Bildschirmausgabe ist einfach zu langsam.
Ansonsten ist dBase II ein hervorragendes Programm. Eine äußerst umfangreiche Datenbanksprache erlaubt die Programmierung von Prozeduren, die von dBase aus aufgerufen werden können. Komplizierte Sortiervorgänge, eine Lagerinventur zum Beispiel, lassen sich in Form von »dBase-Programmen« ablegen und dann bei Bedarf einsetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Wer fast 200 Mark für ein Programm ausgibt, möchte dies natürlich länger als nur ein oder zwei Jahre lang einsetzen. Auch, wenn er dann auf einen größeren (und schnelleren) Computer umsteigt. Bei dBase ist durch das CP/M-System garantiert, daß es sich auch auf anderen CP/M-fähigen Computern einsetzen läßt. Sie können dann zum Beispiel Ihre mühsam erarbeiteten Prozeduren weiter verwenden. Bemerkenswert ist auch das Handbuch zu dBase, das trotz der Komplexität des Programms eine schnelle Einarbeitung garantiert.
Eine weitere Gemeinsamkeit von Superbase und dBase II ist die Möglichkeit, einmal selektierte Daten in eine getrennte Datei zu schreiben. Beispiel: Sie haben eine große Kundendatei und möchten eine extra Datei für alle Münchner erstellen, weil diese am häufigsten gebraucht wird. Dies ist mit wenigen Befehlen problemlos möglich.
»Attraktiv und preiswert«
Als nächstes Programm wollen wir uns »Database« unter die Lupe nehmen. Wir haben es deshalb in diesen Vergleichstest aufgenommen, da es gute Leistungen zu einem günstigen Preis bietet. Zur Erinnerung: Database wurde im 64’er-Sonderheft 7/85 veröffentlicht. Aufgrund der Länge des Programms wurde im Heft selber nur die Anleitung veröffentlicht. Der Preis setzt sich also aus 14 Mark für das Sonderheft und 34,90 Mark für die Programmservice-Disketten zusammen. Obwohl das komplette Programm in Basic geschrieben wurde, ist es für den Heimgebrauch ausreichend schnell. Auf insgesamt fünf Bildschirmseiten können Sie Ihre Eingabemaske festlegen. Wie bei dBase II und Superbase lassen sich auch mit Database Rechen- und Ergebnisfelder bestimmen. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil von Database soll hier nicht verschwiegen werden: Es verfügt in der veröffentlichten Version über keinerlei Routinen zur Druckeransteuerung. Im 64’er Monatsheft 4/86 wurde zwar eine kleine Erweiterung abgedruckt, mit der sich Datensätze auch auf Drucker ausgeben lassen, aber umfangreiche Druckermasken fehlen. Die Anleitung zur Druckererweiterung wurde so ausführlich wie möglich verfaßt, um ein leichtes Anpassen an das eigene Gerät zu ermöglichen.
Der Klassiker
Der »Datamat« bietet da schon einiges mehr: Das gesamte Druckbild läßt sich komfortabel editieren. Weitere positive Punkte: Die Anleitung ist selbst für Einsteiger schnell verständlich, und die Bedienung des gesamten Programms aufgrund vieler Untermenüs äußerst einfach. Auch die Sortierfunktion weiß zu gefallen: Die gesamte Datei läßt sich nach jedem beliebigen Kriterium auf- oder abwärts ordnen. Datamat kann als Klassiker der Dateiverwaltungsprogramme für den C 64 angesehen werden. Dadurch fehlen natürlich einige »Extras« wie zum Beispiel Rechen- und Ergebnisfelder. Sie können also lediglich Textdaten verwalten und nicht zum Beispiel Rechnungen oder ähnliches.
Der elektronische Karteikasten
Bei »StarDatei« ist es sehr schwierig, ein konkretes Urteil zu fällen. Es unterscheidet sich vom Gesamtkonzept stark von den anderen vier Programmen. Man verwaltet nicht einzelne Datensätze, sondern genaugenommen Bildschirmseiten. Das ganze Programm ist wie ein elektronischer Karteikasten aufgebaut, mit vielen Karteikarten (pro Diskette 664 Stück), von denen jede einen bestimmten Titel hat. Diese Titel lassen sich ordnen und gezielt ansprechen. Man kann zum Beispiel bei einer Adressenverwaltung den Nachnamen als Kartentitel verwenden. Pro Karte hat man 22 Bildschirmzeilen Platz für Eintragungen. Mit Einschränkungen kann man so etwas Ähnliches wie Eingabefelder festlegen. Um die Eingabe etwas komfortabler zu gestalten, besteht die Möglichkeit, eine Karte als leeres Formular zu definieren, das dann bei der Eingabe schnell aufgerufen und ausgefüllt werden kann. Das Programm besticht durch seine Einfachheit, eine relativ hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit und durch verschiedene, gut durchdachte Details: Nicht-Schreibmaschinen-Profis können die deutschen Umlaute und das »ß« auf die Funktionstasten legen (die uns bisher beste bekannte Lösung). Alle Druckparameter lassen sich direkt vom Hauptprogramm aus ändern und an den eigenen Drucker anpassen. Der Bildschirmaufbau ist sauber und aufgeräumt. Für Einsteiger ein ideales Programm.
Fazit
Die Entscheidung für das eine oder andere der vorgestellten Programme wird sich in erster Linie nach dem angestrebten Einsatzgebiet und dem eigenen Geldbeutel richten: Während dBase II und Superbase und mit Einschränkungen auch Database für den Einsatz in Kleinbetrieben und im Lager geeignet sind (nur dort werden die beiden ersten auch ihrem Preis gerecht), eignen sich Datamat und Stardatei mehr für den privaten Einsatz (Schallplattendatei, Adressenverwaltung, Muttis Kochbuch etc).
(tr)Info:
dBase II: Verlag Markt & Technik AG, Hans-Pinsel-Str.2, 8013 Haar. Preis: 199 Mark
Superbase 64 und Datamat: Data Becker, Merowinger Str.30, 4000 Düsseldorf. Preise: 198 Mark (Superbase) und 99 Mark (Datamat)
Database: 64’er Sonderheft 7/85 (Anwendungen und DFÜ). Preis: 14 Mark Heft und 34,90 Mark Programmservice-Diskette (Listing nicht im Heft)
StarDatei: Sybex-Verlag, Vogelsanger Weg 111, 4000 Düsseldorf 30. Preis: 64 Mark