Neues aus der Heimdruckerei

Ein Monopol ist gebrochen: Mit »Print Master« wird dem »Print Shop« ernsthafte Konkurrenz gemacht. Wir haben vorab die amerikanische Version dieses neuen Druckprogramms getestet. Denn demnächst kommt eine deutsche Version mit Umlauten auf den Markt.

Seit über einem Jahr gibt es ein Programm für Heimcomputer, das alle Verkaufserfolge schlägt. Es heißt »Print Shop«. Mit ihm kann man Grußkarten, Poster, Briefpapier oder Schilder auf grafikfähigen Druckern zu Papier bringen. Der Erfolg hängt wohl zum großen Teil damit zusammen, daß »Print Shop« einfach einmalig war. Bis vor kurzem gab es kein vergleichbares Programm. Doch jetzt tritt eine kleine amerikanische Software-Firma namens Unison World mit ihrer »Print Shop«-Version auf den Software-Markt. Deren Programm heißt »Print Master« und ist dem »Print Shop« derart ähnlich, daß man sich im stillen fragt, ob man das »An-einen-Erfolg-anhängen« nicht etwas übertrieben hat. Doch dann muß man gleich entschuldigend hinzufügen, daß man beim »Print Master« manches besser gelöst hat und daß dieses Programm doch einiges mehr kann als sein Vorgänger.

Nach dem Laden und Starten des »Print Master« wird man von einem grafisch sehr hübschen Menü begrüßt und um die Auswahl eines der acht Programmpunkte gebeten: Grußkarte, Schild, Briefpapier, Kalender, Banner, Grafik-Editor, Drucker-Einstellung und Rückkehr zu Basic sind verfügbar. Nach dem ersten Programmstart wird man wohl die Drucker-Einstellung anwählen. Die Auswahl an Druckern ist nicht sehr groß: Es werden Epson- und Star-kompatible, Okimate 10/20/92 und 93, C-Itoh 8510 sowie Commodore 1525/801 angeboten. Glücklicherweise läuft das Programm mit fast allen anderen Druckern, wenn man den Epson-Modus anwählt. Für den MPS 802 hingegen gilt: Nichts geht mehr, ein Ausdruck ist schlichtweg unmöglich.

Nach einer Frage zum verwendeten Interface sucht man vergeblich. Dieses muß vom Benutzer vor dem Programmstart eigenhändig im sogenannten Linear-Kanal fixiert werden. Wie das geht, steht im Handbuch zum Interface. Als Entschädigung für diese etwas unfreundliche Bedienung bietet das Programm die Wahl der Geräteadresse des Druckers (4 oder 5) sowie das Einstellen des Zeilenvorschubs (CR mit oder ohne Linefeed) an. Zusätzlich kann noch die Bildschirmfarbe verändert werden. Alle Einstellungen werden auf der Programmdiskette zwischengespeichert und stehen dann beim nächsten Laden automatisch zur Verfügung.

Die Menüpunkte Grußkarte, Schild, Briefpapier und Banner sind »Print Shop«-Anwendern wohlbekannt. Bei der Grußkarte lassen sich Innen- und Außenseite mit Glückwünschen bedrucken. Der Ausdruck muß dabei zweimal gefaltet werden, um die Karte fertigzustellen. Schild und Briefkopf bedrucken ein DIN A4-Blatt längs und mit Banner kann man meterlange Sprüche quer aus dem Drucker sprudeln lassen. Damit die Druckerei auf Dauer nicht langweilig wird, sorgen acht verschiedene Zeichensätze, 11 verschiedene Umrahmungen und 111 mitgelieferte Grafiken für Abwechslung. Die acht Zeichensätze sind zudem noch in zwei Größen und drei Schriftstilen verfügbar. Fast dasselbe kann auch der »Print Shop«. Doch hier wollte man es noch besser machen und hat es sogar geschafft: So kann man auf einem Schild den Zeichensatz zeilenweise wechseln, während man beim »Print Shop« auf einen Zeichensatz pro Schild beschränkt war. Dies gilt ebenso für die Grußkarten.

Erst gucken, dann drucken

Den zweiten Pluspunkt handelt sich »Print Master« durch den »Video-Preview« ein: Bevor man etwas ausdruckt, kann man es sich auf dem Bildschirm in Ruhe ansehen. Das spart Farbband, Druckerpapier und nicht zuletzt Zeit. Man kann ein fertiges Design auch auf Diskette speichern, um es später einmal wiederzuverwenden oder leicht abzuändern.

Neu ist der Menüpunkt Kalender. Hier lassen sich Wochen- und Monatskalender erstellen und drucken. Nach Eingabe von Monat und Jahr errechnet »Print Master« automatisch die Wochentage. Zu einzelnen Daten können kurze Notizen eingegeben werden wie etwa »Heute neue 64’er«. Zusammen mit einer Kopfzeile und umrahmt von einer netten Grafik ergibt sich so der selbstgemachte, praktische Wandschmuck. Im Bild 1 finden Sie einen typischen Monatskalender, wie er in unserer Redaktion zu finden sein könnte. Bild 2 zeigt ihnen, wie so etwas vor dem Ausdruck auf dem Bildschirm aussieht. In einem Wochenkalender, der sieben Tage untereinander aufzeigt, ist natürlich Platz für längere Tages-Informationen.

Mit Print Master gedruckter Monatskalender
Bild 1. Ein Kalender aus dem Redaktions-Alltag, gedruckt mit Print Master
Bildschirmvorschau des Kalenders in Print Master
Bild 2. So sieht ein Kalender auf dem Bildschirm aus

Der Grafik-Editor schließlich ist dazu da, die 111 mitgelieferten Grafiken für eigene Zwecke zu ändern und um eigene Kreationen aufzustocken. Der Editor bietet dabei sehr viele Möglichkeiten, so lassen sich Bilder sogar invertieren und spiegeln. Ein genauerer Blick in den Editor offenbart, daß »Print Master«-Bilder eine Auflösung von 88 x 52 Punkten haben. Diese Auflösung entspricht vollkommen der des »Print Shop« im Epson-Modus. Sollte man vielleicht zwischen den beiden Programmen Bilder tauschen können? Der Tester wurde bei mehreren Versuchen schwer entäuscht, denn der »Print Master« wollte partout keine »Print Shop«-Bilder annehmen. »Da hilft nur gutes Zureden und ein Diskmonitor!« dachte er sich, analysierte die Formate der gespeicherten Bilder beider Programme und schrieb kurzerhand »Shopmaster«, ein Programm, das »Print Shop«-Bilder in das »Print Master«-Format umwandelt. Deswegen gibt es ausnahmsweise mal zu einem Software-Test ein Listing. Im Listing 1 finden Sie unseren »Shopmaster«. Die Bedienung ist recht einfach: Sie müssen nur die Diskette mit dem umzuwandelnden File einlegen und den Filenamen angeben, der Rest wird automatisch erledigt.

10 rem ***    shopmaster    ***
20 rem konvertiert printshop-grafik
30 rem zu printmaster-grafik
40 rem (c) 64'er, markt und technik
50 rem geschrieben von boris schneider
60 rem am 23.03.86 um 23.17 uhr
70 rem:
80 dim g$(572)
90 input "filename";a$
100 for i=1tolen(a$)
101 :b$=b$+chr$(asc(mid$(a$,i,1))+32)
102 nexti
110 b$=b$+".gra"
120 open 1,8,2,a$+",p,r"
130 get#1,x$:get#1,x$
140 fory=0to51
150 :forx=1to11
160 ::get#1,g$
161 ::g$(y*11+x)=chr$(asc(g$+chr$(0)))
170 :nextx
180 nexty
190 close1
191 print"{rvon}zieldiskette einlegen{rvof}"
192 gete$:ife$=""then192
200 open 1,8,2,b$+",p,w"
210 print#1,chr$(80)chr$(135)chr$(88)chr$(0)chr$(52)chr$(0)chr$(180)chr$(139);
220 for y=0to51
230 :forx=1to11
240 ::print#1,g$(y*11+x);
250 :nextx
260 :print#1,chr$(139);
270 nexty
280 close1
290 run
Listing 1. »Shopmaster«, ein Programm zur Umwandlung von »Print Shop«-Grafiken ins »Print Master«-Format.

Software-Test mit Listing

Doch nun zurück zum »Print Master«. Das Programm ist äußerst benutzerfreundlich. Nur mit den Cursortasten und Return wird fast der gesamte Produktionsablauf gesteuert. Die anderen Tasten werden benötigt, wenn Texte eingegeben werden müssen. Gegenüber dem »Print Shop« hat der »Print Master« den unübersehbaren Vorteil, daß man sich alles in Ruhe vor der endgültigen Auswahl ansehen kann. Wollen Sie eine Grafik in Ihr Design einbauen, können Sie sie auf Tastendruck erst mal ansehen und überprüfen, ob sie überhaupt geeignet ist. Gefällt sie Ihnen nicht, wählen Sie einfach eine andere aus.

Während der Testzeit konnten wir keine Versäumnisse oder gar Mängel am »Print Master« feststellen. Negativ aufgefallen ist uns nur, daß bei schneller Eingabe von Texten ab und zu Zeichen verschluckt werden. Die Tastaturabfrage hätte etwas geschickter programmiert werden können.

Ganz positiv fanden wir dagegen den integrierten Fast-Loader, der das Programm etwa fünfmal schneller lädt und dann ständig aktiviert bleibt. Es werden also auch Unterprogramme und Grafikbilder schnell nachgeladen. Die Kompatibilität zu Floppy-Speedern ist dadurch nicht eingeschränkt. Lediglich sehr schnelle Systeme werden dadurch etwas gebremst.

Zum Test stand uns nur die amerikanische Version des »Print Master« zur Verfügung. Für den deutschen Vertrieb über Ariolasoft soll es aber eine spezielle Version geben, die vollständig eingedeutscht wird. Das bedeutet: Deutsches Handbuch, deutsche Texte auf dem Bildschirm und auch deutsche Umlaute in den acht Zeichensätzen. Die Programmierer von Unison World wollen sogar »deutsche« Grafiken in den »Print Master« einbauen. So soll es, zum Beispiel, anstelle eines Baseballschlägers aus der amerikanischen Version einen Fußball geben. Alle für Deutschland nicht passenden Grafiken werden gegen neue ausgetauscht.

Print Master druckt Deutsch

Das Handbuch ist übrigens auch in der amerikanischen Version hervorragend. Es erklärt nicht nur ausführlich die Bedienung des Programms, sondern gibt auch viele gestalterische Tips.

Mit der geplanten totalen Eindeutschung zieht der »Print Master« an seinem Konkurrenten vorbei und schlägt ihn um Längen. Zusätzlich soll er auch noch billiger werden als der »Print Shop«; eine genaue Preisvorstellung konnten wir aber noch nicht in Erfahrung bringen. Unser Tip ist, daß »Print Master« um die hundert Mark oder darunter kosten dürfte.

»Print Shop«-Produzent Broderbund holt aber schon zum Gegenschlag aus. Für Anfang Mai hat man dort den »Print Shop Companion« für den C 64 angekündigt. Im Januar hieß es noch, daß dieses Programm wohl nicht herauskäme. Wir werden den »Companion« natürlich sofort testen und auch nochmal mit dem »Print Master« vergleichen. Außerdem werden wir kurz in unserer Rubrik »Aktuell« über die deutsche »Print Master«-Version berichten, wenn diese unsere Redaktion erreicht hat. Beim Test des »Print Master« wunderten wir uns nur noch darüber, wieso eigentlich vorher noch niemand auf die Idee gekommen war, einen »Print Shop«-Konkurrenten zu entwickeln. »Print Master« wird auf diesem Gebiet sicherlich einen Meilenstein setzen, die Qualität steigern und die Preise senken. Und darüber können wir alle uns nur freuen.

(bs)

Info: Ariolasoft, Postfach 1350, 4830 Gütersloh

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