Die verrückten Billigspiele
M.A.D.-Games, übersetzt verrückte Spiele, ist eine neue Reihe von Programmen, die für 15 Mark eine ganze Menge bieten. Wir hatten jedenfalls viel Spaß mit den neuen Billigspielen.
Wer den Namen Mastertronic hört, denkt unweigerlich an »Billigspiele«, oder anders ausgedrückt, an Spiele mit taschengeldgerechten Preisen. Daß die Qualität bei einem Preis von 10 Mark nicht leiden muß, hatte diese Firma schon öfters bewiesen, obwohl es auch Ausreißer in negativer Richtung gab. Doch mit einer neuen Produktserie versucht Mastertronic, vom Billigspiel-Image wegzukommen.
Es handelt sich um die »M.A.D.-Games«, eine Reihe von bisher drei Spielen. (»M.A.D.« ist eine Abkürzung für »Mastertronic Added Dimension«). Sie kosten auf Kassette jeweils 15 Mark, und lassen sich von Grafik, Musik oder Spielwitz mit anderen Neuerscheinungen, die 30, 40 oder 50 Mark kosten, vergleichen. Die drei Titel lauten »Hero Of The Golden Talisman«, »The Last V8« und »Master Of Magic«.
Viel interessanter sind die beiden anderen »M.A.D.«-Spiele. Mit »The Last V8« erhält der Käufer ein Programm mit sehr guter Grafik und ebenso guter Musik. Das Spielprinzip ist einfach, die Hintergrundgeschichte kompliziert: Ein Auto muß verschiedene Strecken während bestimmter Zeitlimits zurücklegen. Dieses Auto, der letzte V8, ist das letzte, vom Atomkrieg verschonte Gefährt. Der Spieler muß es durch radioaktiv verseuchte Städte zu Basen anderer Überlebender lenken. Einige verspätete Atombomben erschweren diese Aufgabe.

Viel Arbeit wurde in Grafik- und Sound-Effekte gesteckt. Hintergrundgrafik und Musikthema können locker mit fast jedem viel teureren Spiel konkurrieren. Lediglich die digitalisierte Sprache am Anfang einer Runde hätte man sich sparen können.
Der einzige Haken an »The Last V8« ist die Schwierigkeit. Die abzufahrenden Strecken sind sehr kurvenreich und eng, die Zeitlimits extrem knapp gewählt und die Joysticksteuerung stark gewöhnungsbedürftig. Zusammengefaßt kann man das Spiel als fast unmöglich bezeichnen — uns ist es jedenfalls noch nicht gelungen, die erste Basis zu erreichen. Aber gerade dieser Punkt dürfte »The Last V8« für diejenigen interessant machen, die eine echte Herausforderung suchen.
Auch das nächste »M.A.D«-Spiel hat uns angenehm überrascht. »Master Of Magic« ist ein nicht allzu komplexes Rollenspiel mit Elementen, die aus Adventures und Actionspielen stammen.

Der Spieler wird, als er eine Höhle erforscht, von einem bösen Zauberer entführt. Dieser will den Armen erst wieder freilassen, wenn er ihm ein bestimmtes Amulett besorgt hat. Die Amulettsuche ist natürlich kein leichtes Unterfangen, da sich zahlreiche böse Monster in den finsteren Höhlen-Gängen herumtreiben. Dort verstreute Waffen und Gegenstände bieten ein wenig Hilfe.
Die Spielfigur wird per Joystick durch die Höhle gesteuert, ein Druck auf den Feuerknopf bringt einen in zahlreiche Menüs, in denen man seine weitere Vorgehensweise bestimmen kann, frei nach dem Motto »Laufen, Zaubern oder Kämpfen«.
Die Grafik ist auch hier mehr als überdurchschnittlich, der Sound einfach umwerfend. »Master Of Magic« ist wesentlich einfacher zu spielen als »The Last V8« und macht deswegen noch mehr Spaß.
Der schwächste Titel der »M.A.D.«-Spiele ist »Hero Of…«. Hier handelt es sich um ein Action-Adventure, bei dem man fünf Stücke eines Schmuckstückes einsammeln muß. Die Grafik ist recht durchschnittlich, das Spiel hat aber, solange man es nicht gelöst hat, einen gewissen Reiz.
In allerletzter Sekunde erreichte uns die frohe Nachricht, daß in Kürze das Fußballspiel »Five-A-Side-Soccer« als viertes M.A.D.-Spiel herausgegeben wird. »Five-A-Side« erschien schon vor einigen Monaten bei der englischen Firma Anirog. Dies dürfte das einzige Fußballspiel für den C 64 sein, bei dem man sogar foulen und Elfmeter-Schießen kann. Dafür wurden die Einwürfe und Eckstöße nicht berücksichtigt. Eine nette Sprachausgabe unterstützt die Fußball-Simulation, bei der wahlweise zwei oder ein Spieler antreten können.
Bei allen M.A.D.-Spielen gilt auf jeden Fall: Die 15 Mark sind sehr gut angelegt. Was man hier fürs Geld bekommt, sprengt jeden bisherigen Rahmen. Da kann man nur hoffen, daß Mastertronic diesen Qualitätsstandard hält oder sogar ausbaut. Das »Billig-Spiel« ist jetzt jedenfalls salonfähig geworden.
(bs)